Der Meerbuscher Kulturkreis ist bekannt dafür, dass er Begegnungen mit Kunst, Musik, Literatur, Architektur etc. organisiert, aber ob der Besuch eines Friedhofs da nicht etwas aus dem Rahmen fällt?

Diese Frage mögen sich einige der Besucher vorab gestellt haben, die sich am 25. August 2018 am Eingang des Düsseldorfer Nordfriedhofs einfanden, um unter der Leitung des Kunsthistorikers Klaus Siepmann einen ca. zweistündigen Spaziergang über eben diesen Friedhof zu machen.

Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Alle eventuellen Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieses Unternehmens lösten sich bereits in den ersten Minuten in Luft auf. Als "Friedhof hinter dem Tannenwäldchen" bereits im Jahr 1884 eröffnet, hat sich der heutige Nordfriedhof zu einem der schönsten Parkfriedhöfe Deutschlands entwickelt. Mit einer Größe von ca. 70 Hektar und ca. 50.000 Grabstellen ist er außerdem die größte Ruhestätte Düsseldorfs; über 200.000 Personen sind dort bestattet. Man findet dort Grabmalkunst vergangener Jahrzehnte, aber auch moderne Gestaltungselemente. Namhafte Bildhauer aus dem In- und Ausland haben für den Nordfriedhof Grabmale geschaffen, darunter das Grabmal für die Familien Pfeiffer und Schieß von Friedrich Coubillier, dem Schöpfer der Tritonengruppe am Kö-Graben, oder das von Ernst Barlach geschaffene Grabmal für Louise Dumont-Lindemann.

Herr Siepmann erläuterte kenntnisreich und auf sehr interessante Weise zunächst den Aufbau des Friedhofs. In der Nähe des Haupteingangs befindet sich der rund 21 Hektar große älteste Friedhofsteil. Dieser wurde 1987 aufgrund einer Vielzahl erhaltenswerter Grabstätten zusammen mit der Friedhofskapelle unter Denkmalschutz gestellt. Den Mittelpunkt des denkmalgeschützten Bereichs bildet der sogenannte Millionenhügel, zugleich die höchste Erhebung des Friedhofsgeländes und Standort von besonders vielen architektonisch aufwändigen Grabanlagen.

Die Besucher waren sehr beeindruckt von den Gruften prominenter Familien wie der Industriellen Henkel, Haniel, Heye, Lueg, Poensgen, Bagel, Girardet, Trinkaus oder der Künstler Achenbach, Bendemann, Roeber und Tadeusz. Auch Gustav Lindemanns Grab und das der berühmten Johanna Ey durften nicht fehlen.

Der Rundgang war nicht nur kulturell ein Aha-Erlebnis, sondern auch für Naturliebhaber ein Vergnügen. In der über 100-jährigen Geschichte des Friedhofs haben die verschiedensten Auffassungen der Friedhofs- und Grabmalgestaltung ihren Ausdruck gefunden. Heute hat die grundlegende Idee eines grünen Friedhofs, zumal dieser jetzt in einem dicht besiedelten Stadtteil liegt, mehr denn je Bedeutung. Mehr als jede Parkanlage bietet der Düsseldorfer Nordfriedhof viele abgeschiedene und stille Bereiche, wo sich Tiere und Pflanzen ungestört entwickeln können.

Gisela Saßmannshausen

 

Freigegeben in Neues vom MKK

Im letzten Jahr (August 2018) organisierte der MKK eine Führung über den Düsseldorfer Nordfriedhof, die so große Resonanz fand, dass in diesem Jahr eine Wiederholung auf dem Programm stand. Mit ca. 70 Hektar ist der Friedhof so groß, dass ein einziger Besuch keinesfalls ausreicht, um ihn ganz kennenzulernen und um dies vorwegzunehmen: dafür wird ein dritter Besuch nötig sein.

Der Kunsthistoriker Klaus Siepmann begleitete wie schon im letzten Jahr die interessierten Zuhörer durch den parkähnlichen Friedhof, der 1884 eröffnet wurde, weil der bisherige kommunale Begräbnisplatz in Golzheim an seine Grenzen gestoßen war. Düsseldorf war Anfang der 1880er Jahre mit mehr als 100.000 Einwohnern Großstadt geworden, die Bevölkerung wuchs rasant und ein Ende der stürmischen industriellen Entwicklung war vorerst nicht abzusehen.

Im Juli 1882 wurde ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben, den der Gartenarchitekt Eduard Hoppe aus Pankow bei Berlin gegen starke Konkurrenz für sich entscheiden konnte. Hoppes Grundidee auf anfangs 15 Hektar ist noch heute gut zu erkennen: Von einem zentralen Eingangsbereich aus folgen in einer Süd-Nord-Achse die erst 1887 gebaute Kapelle und, auf einen Hügel ansteigend, der Ort für ein Hochkreuz, das 1905 aufgestellt wurde. Die Grabfelder in Nähe der Kapelle liegen wie in einem barocken, höfischen Garten, der als Grundriss ein Kreuz aufweist. Weiter entfernte Teile ähneln eher einem englischen Landschaftsgarten. Mittlerweile ist der Friedhof zweimal erweitert worden und hat heute eine Gesamtfläche von ca. 70 Hektar.

Klaus Siepmann führte die Besucher dieses Mal auch in Bereiche des Friedhofs, die die Besucher im letzten Jahr noch nicht gesehen hatten. Dabei wurde deutlich, wie enorm groß das Gelände dieser Begräbnisstätte ist. Neben den Grabmälern bekannter und bedeutender Persönlichkeiten, zu denen Politiker, Industrielle, Architekten und Künstler gehören, (z.B. Helmut Hentrich, Hans Schwippert, Caspar Scheuren, Theodor Löbbecke, Hans Müller-Schlösser, Cornelius Gurlitt, Jean Louis Piedboeuf, Eduard Schulte, Ernst Schiess u.v.a.) beeindruckten besonders die großen Ehrenfelder für die Toten des Ersten und Zweiten Weltkriegs.

Gisela Saßmannshausen

 

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