Kulturkreis Meerbusch

Sonntag, 27 November 2016 18:48

West Side Reise - Gott sei Dank, wir haben fleißig Deutsch gelernt!

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Nach dem Schreibwettbewerb des Meerbuscher Kulturkreises und Rhein-Kreises Neuss 2013 gab es ein besonderer Preis für zwei Preisträgerinnen aus Usbekistan, eine von denen eigentlich ich bin. Zu sagen, dass ich damals schockiert und dankbar gleichzeitig war, ist nichts zu sagen. Was für ein Preis war das denn, fragen Sie sich jetzt. Das war eine Reise nach Deutschland. Man kann sich natürlich denken, dass es nichts Besonderes ist, nach Deutschland zu fahren. Millionen Touristen kommen jährlich hierher, und für uns war das auch einfach ein guter Urlaub und nichts mehr. Doch ich sehe es anders, denn für Leute, die die Deutsche Sprache, Geschichte und Kultur von Kindheit an erlernen und die Heimat von dieser Sprache noch niemals gesehen haben, ist es gar nicht so gewöhnlich und unbedeutend.

Daran, dass zwei Jahre nach dem Schreibwettbewerb des Meerbuscher Kulturkreises und des Rhein-Kreises Neuss schon her sind, ist es schwierig zu glauben, denn es gibt jedes Jahr eine Menge von den dort erworbenen Erfahrungen, die für uns bis jetzt noch wertvoll sind, geschweige denn von neuen Menschen, die wir kennengelernt haben, und an die wir uns immer noch erinnern.

Da es vor allem eine Kulturreise war, die bei der Initiative vom Meerbuschen Kulturkreis stattgefunden hat, und da wir zwei Wochen bei Ingrid Kuntze, die die Städtische Musikschule in Meerbusch geleitet hat und ein Mitglied vom Meerbuscher Kulturkreis ist, gelebt haben, stand bei uns die Kultur im Vordergrund: Ausflüge in Meerbusch, wo wir gewohnt haben, nach Köln und Düsseldorf, der Besuch vom Benefizkonzert für syrische Kinder mit dem Vorspiel von City-Band, vom Theater in Meerbusch und Düsseldorf, das Treffen mit dem Vizepräsident Oliver Keymis im Landtag von Nordrhein-Westfalen und mit dem Künstler Reimund Franke in seinem Atelier. Alles förderte den Erwerb von neuen Kenntnissen und Erfahrungen.

Doch nicht nur das hat die ersten Eindrücke von Deutschland geprägt, sondern auch die Besuche der Schule. Wir haben wie alle deutschen Schüler einen echten Stundenplan gehabt und das Städtische Meerbusch-Gymnasium besucht: Ohne Ablenkungen und Unterrichtskürzungen. Auf solche Weise kann man zuerst verrückt werden: Gestern ist man aus Taschkent angekommen, heute spricht und lernt man schon auf einer anderen Sprache und hört nur Wörter, die früher im Vokabelheft gestanden haben. Über diesen Moment kann ich nur sagen: Gott sei Dank, wir haben fleißig Deutsch gelernt! Am Bahnhof, um nach dem richtigen Weg zu fragen oder auch in der Schule, um den Lernstoff zu begreifen - wenn man Deutsch beherrscht, profitiert man davon unglaublich viel.

Nicht nur Sprache ist zum Unterschied einer Schule in der Heimat und in Deutschland geworden. Was gleich auffällt, ist die unterschiedliche Schuluniform, und natürlich die Tatsache, dass die deutschen Schüler unter Haupt-, Real- und Gymnasialschule wählen, nachdem sie Grundschule beendet haben. Unser Schulwesen kann man eher zum amerikanischen Schulsystem zählen, wo man erst vier Jahre in einer Grundschule und danach bis zur 9. Klasse in einer sogenannten Gesamtschule lernt und sich schließlich für ein Kolleg oder Lyzeum entscheidet. Ein Kolleg ähnelt sich einer Fachschule in Deutschland, denn man eignet sich dort einen Beruf an. Am Lyzeum wird dagegen ein umfangreicher Lernstoff wie am Gymnasium vermittelt, der die Schüler auf das Studium an einer Universität vorbereitet. Im Vergleich zu einem Gymnasium wählt man bei uns, beispielsweise entweder den Kunst- oder Musikunterricht nicht, sondern meistens lernt Jedermann den gleichen Stoff.

Dass diese Reise unheimlich viel dazu beigetragen hat, unsere Deutschkenntnisse zu entwickeln und sich Deutschland im kulturellen und auch im geografischen Sinn besser vorzustellen, muss man besonders betonen. Wie ich vor zwei Jahren erzählt habe, kann ich auch jetzt beweisen, dass ich Journalist in Zukunft werden will, nachdem ich Kommunikation- und Medienwissenschaft studiere. Nach der Ankunft in die Heimat habe ich aber begonnen, für staatliche Zeitungen zu schreiben und meine Weltanschauung im Ganzen zu erweitern. Das hat sich schon bald gelohnt, nachdem ich den PAD Aufsatzwettbewerb 2015 gewonnen habe, wie es damals die andere Preisträgerin des Schreibwettbewerbs vom MKK Sofya gemacht hat. Der Aufenthalt in Deutschland mit Ausflügen nach Bonn, Köln, Berlin, Potsdam, München, Frankfurt an der Oder, Schwerin, Rostock und Warnemünde und der Lehre am Gymnasium sind dafür dem Preis geworden. Aber immer wieder werde ich dabei sagen, dass es ohne Deutschkenntnisse nicht klappen würde, so viel Erfahrungen, die alle mit Deutschland verbunden sind, zu sammeln!

Von Alyona Gula

Danke an Aloyona Gula für diesen schönen Artikel. Wir wünschen dir viel Glück bei deiner zukünftigen Berufswahl und hoffen, dass du deinen Traum, Journalistin zu werfen, verwirklichen kannst. Deine Deutschkenntnisse haben sich wirklich sehr verbessert. Kleine Schreib- und Formulierungsfehlerchen haben wir nicht korrigiert. Monika Zehmisch, MKK

 

Gelesen 1476 mal Letzte Änderung am Sonntag, 27 November 2016 19:04

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