Kulturkreis Meerbusch

Montag, 06. September 2021 21:21

Jüdisches Leben in Düsseldorf

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Die Geschichte jüdischen Lebens in der Düsseldorfer Carlstadt war das interessante Thema eines Rundganges mit Carsten Lehl, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Robert-Schumann-Hochschule tätig ist und von seiner Ehefrau unterstützt wurde. Bei durchaus brauchbarem Wetter trafen wir uns am Parkhaus Carlplatz und die gut gelaunte MKK-Gesellschaft folgte den Erläuterungen der beiden sehr sachkundigen sowie sympathischen Führern gern. Unsere gemeinsame Tour sollte uns im Folgenden an historische Orte führen, an denen sich jüdisches Leben und Düsseldorfer Kultur abspielten. Im Gegensatz zu anderen Metropolen in Deutschland gab es in Düsseldorf keine Ghettoisierung jüdischen Lebens. Demgemäß war das jüdische Leben bis ins 19. Jahrhundert hinein eng mit dem Düsseldorfer Alltag verbunden.

Direkt in der Nähe unseres Treffpunktes, an der nahe gelegenen Benrather Straße weisen die Eheleute Lehl auf die Existenz des alten jüdischen Friedhofes hin, der allerdings erst bei Bauarbeiten für die U-Bahnhöfe der Wehrhahnlinie wieder freigelegt wurde. Da hierbei die Gebeine einiger Verstorbener entdeckt wurden und nach jüdischem Glauben eine Umbettung nicht zulässig ist, sorgte das für erhebliche Verstimmungen. Letztlich einigte man sich nach langen Verhandlungen mit den Verantwortlichen der jüdischen Gemeinde auf eine Umbettung nach Jerusalem. Bei rechtzeitiger Einsicht in die historischen Unterlagen der Stadt wäre dieser peinliche Eklat sicher zu vermeiden gewesen.

Und so zeigt sich wie dicht die unterschiedlichen Erscheinungen jüdischen Lebens in der Carlstadt bei einander liegen. So weisen die Eheleute Lehl in der Hohe Straße bei Nr. 8 darauf hin, dass hier zu Nazizeiten eines der doch zahlreichen „Judenhäuser“ Düsseldorfs gestanden hat. Darin wurden die Juden nach der Vertreibung aus ihren Häusern und Wohnungen bis zum Abtransport in die Vernichtungslager eng auf einander gedrängt untergebracht.

An der Stelle des heutigen Hauses mit der Nummer 11 stand vor dem Krieg das Wohnhaus des Musikdirektors Ritz, dessen Nachfolger Mitte des letzten Jahrhunderts der Komponist Julius Trausch wurde.

Eine besondere Bedeutung hat im Kontext unserer Thematik die Kasernenstraße. Hier wurde im Jahre 1903 die große Synagoge im neuromantischen Stil errichtet. In der Reichsprogromnacht des Jahres 1938 wurde das Gebäude stark verwüstet und dann im Krieg völlig zerstört. Heute erinnert nur noch eine steinerne Gedenktafel an dieses stattliche Gebäude.

Am Heinrich-Heine-Institut weist Herr Lehl noch auf eine schöne Begebenheit hin. Im Haus Nr. 18 wohnte zu Beginn des 19. Jahrhunderts der jüdische Dirigent Herrmann Süs. Er gründete dort im Jahr 1922 die Düsseldorfer Musikschule.
Und natürlich darf ein Hinweis auf Heinrich Heine in diesem Zusammenhang nicht fehlen. Er kam als Kind jüdischer Eltern in der Düsseldorfer Altstadt 1797 oder 1798 zur Welt und hat die Stadt sowie das jüdische Kulturleben stark geprägt. Allein zu diesem Thema würde sich eine ergänzende Veranstaltung mit den Eheleuten Lehl sicher lohnen. (Eine gute Idee für das nächste Halbjahr!!)

Damit schließt sich der Kreis der Erzählungen zu einem wirklich sehr interessantem Thema und die begeisterten Teilnehmer des MKK bedanken sich bei den Eheleuten Lehl für ihre tiefgreifenden sowie faszinierenden Ausführungen.

Dr Thomas Wolff

Gelesen 22 mal Letzte Änderung am Montag, 06. September 2021 21:56

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