Schweden – Land des „Lagom“
von Monika Zehmisch
„Nicht zu viel, nicht zu wenig, sondern genau richtig“ – treffender hätte das Motto der Kulturreise des Meerbuscher Kulturkreises kaum lauten können. Die 32 Teilnehmer erlebten Schweden genauso, wie es das schwedische Wort „Lagom“ beschreibt: entspannt, abwechslungsreich und voller unvergesslicher Eindrücke.
Dabei begann die Reise zunächst alles andere als gelassen. Wegen einer mehr als zweistündigen Flugverspätung war Geduld gefragt. Doch die gute Stimmung in der Gruppe blieb ungetrübt.
Reiseleiterin Katharina nutzte die Wartezeit, um die Teilnehmer kennenzulernen – ein gelungener Auftakt für eine harmonische Reisewoche.
Nach der Ankunft in Stockholm begrüßte Busfahrer Peter die Gruppe und brachte sie in den kommenden Tagen sicher und zuverlässig zu allen Stationen der Reise.
Erstes Ziel war Linköping. Nach dem gemeinsamen Abendessen konnte die Reise am nächsten Morgen richtig beginnen. Der Göta-Kanal mit seinen sieben historischen Schleusen beeindruckte ebenso wie das malerische Vadstena am Ufer des Vätternsees. Ein Spaziergang führte durch die idyllische Altstadt bis zum Birgittenkloster mit seiner imposanten gotischen Kirche.
Natürlich durfte auch Gränna nicht fehlen – die Heimat der berühmten rot-weißen Zuckerstangen. Nach dem Besuch einer Manufaktur blieb Zeit zum Bummeln, bevor die Gruppe an der Burgruine Brahehus einen der schönsten Ausblicke über den Vätternsee genießen konnte.
Den Tag ließ man bei einem typisch schwedischen Abendessen im historischen Freilichtmuseum von Linköping ausklingen.
Literaturfreunde kamen am nächsten Tag voll auf ihre Kosten. In Vimmerby, der Heimat Astrid Lindgrens, besuchten die Reisenden ihr Geburtshaus und das eindrucksvolle Museum.
Besonders herzlich wurde die Gruppe anschließend in Mariannelund empfangen – auf dem Hof, auf dem die Filme von „Michel aus Lönneberga“ entstanden. Ein deutscher Auswanderer überraschte die Gäste dort mit frisch gebackenen Kanelbullar und Eiskaffee – eine echte schwedische Fika, wie sie authentischer kaum sein könnte.
Nach einem kurzen Rundgang durch die historische Holzhausstadt Eksjö ging es zurück nach Linköping.
Ein weiterer Höhepunkt wartete am Samstag. Mit der Fähre setzte die Gruppe von Tyrislöt zur Schäreninsel Harstena über. Während der Fahrt durch die einzigartige Inselwelt fühlten sich viele wie in einer Bilderbuchlandschaft. Rote Holzhäuser, kleine Gärten, eine urige Bäckerei und die wohltuende Ruhe vermittelten eindrucksvoll die Gelassenheit des schwedischen Alltags.
Auf der Rückfahrt durfte natürlich auch ein Stopp in Söderköping nicht fehlen. Dort spendierte der Gruppenleiter allen ein Eis aus der angeblich besten Eisdiele Schwedens – und das Urteil fiel einstimmig aus: absolut verdient.
Über das romantische Trosa, vielen als Kulisse der Inga-Lindström-Filme bekannt, führte die Reise weiter nach Mariefred. Dort besuchte die Gruppe das Grab Kurt Tucholskys sowie das eindrucksvolle Schloss Gripsholm mit seiner bedeutenden Gemäldesammlung.
Den krönenden Abschluss bildeten mehrere Tage in Stockholm. Nach einer Stadtrundfahrt erlebten die Teilnehmer die feierliche Wachablösung am Königlichen Schloss.
Im Vasa-Museum faszinierte das nahezu vollständig erhaltene Kriegsschiff, das nach mehr als 300 Jahren vom Grund der Ostsee geborgen wurde.
Ein gemeinsames Abendessen in einem traditionsreichen Altstadtrestaurant erhielt anschließend noch eine ganz besondere Note: Reiseleiterin Katharina überraschte die Gruppe mit einem kleinen Liederabend und erzählte musikalisch von ihren persönlichen Erfahrungen nach ihrem Umzug nach Schweden.
Ein außergewöhnlicher Programmpunkt war der Besuch der Deutschen Botschaft. In einem offenen Gespräch erhielten die Reisenden interessante Einblicke in die Arbeit der Botschaft und erfuhren viel über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Schweden und Deutschland.
Der freie Nachmittag wurde individuell genutzt – zum Bummeln durch Stockholm, für den Besuch des Schlosses Drottningholm oder einfach zum Genießen der schwedischen Hauptstadt.
Bevor es zurück nach Deutschland ging, blieb noch Zeit für letzte Entdeckungen. Einige besuchten das ABBA-Museum oder die historische Markthalle, ehe die Gruppe auf dem Weg zum Flughafen noch einen Abstecher nach Sigtuna machte – Schwedens ältester Stadt. Die engen Gassen und die liebevoll erhaltenen Holzhäuser boten noch einmal das perfekte Postkartenmotiv zum Abschied.
Der Rückflug verlief reibungslos. Zurück blieben zahlreiche schöne Erinnerungen, viele neue Eindrücke und die Gewissheit, dass Schweden seinem Ruf als Land des „Lagom“ alle Ehre macht. Die Reise bot von allem genau das richtige Maß – nicht zu viel, nicht zu wenig, sondern genau richtig: Natur, Kultur, Geschichte, Genuss und herzliche Begegnungen.
Jos Coenen
Fotos:
Jos Coenen
Monika Zehmisch