Rundgang durch Little-Tokyo in Düsseldorf
von Monika Zehmisch
In der Tat: Little-Tokyo (Klein-Tokio) hat was von dem echten wuseligen, pulsierenden Tokio. Hier leben ca. 8.000 (15.000 mit Umfeld) Japaner, und Düsseldorf ist die größte Community in Deutschland und die drittgrößte in Europa nach London und Paris.
Wir, das waren zwei Gruppen mit 12 MKK-Mitgliedern, erlebten die komplette japanische Kultur vom Hauptbahnhof bis zur Königsallee dank des umfassenden Wissens unserer Stadtführerin Anja Kühner.
Da Schulferien waren, sah man viele Jugendliche in ihrem Manga-Outfit oder zumindest dem Versuch, in typischer Kleidung aufzutreten. Sie inszenierten sich schon sehr selbstbewusst. Auf der Immermannstraße, dem Hotspot, sind die japanischen Einflüsse am stärksten zu spüren. Hier und in den Nachbarstraßen Charlottenstraße, Klosterstraße, Oststraße und Kreuzung Karlstraße haben viele japanische Firmen (mittlerweile ca. 520) ihren Sitz, sodass sich schnell auch japanische Restaurants mit authentischer Küche, kleine Geschäfte, Supermärkte, Reisebüros, Buchläden, diverse japanische Banken und Versicherungen niedergelassen haben. Selbst ein Friseur und eine Reinigung (Spezialist für Seide) etablierten sich in einer der Nebenstraßen.
Doch die gemeinsame Geschichte begann bereits im 19. Jahrhundert, denn 1859 gründete Louis Kniffler, ein Düsseldorfer, in Nagasaki das preußisch-japanische Handelshaus. Aber erst 100 Jahre später lassen sich die ersten japanischen Unternehmen in Düsseldorf nieder. Der Handel mit Stahl aus dem nahen Ruhrgebiet und der Rhein als Transportweg zum Hafen in Rotterdam waren damals ausschlaggebend für die Ansiedlung der Firmen aus Fernost. Es ist überliefert, dass die ersten Japaner am Rhein in den 1950er Jahren anfangs noch in ihren Büros übernachteten. Doch sehr schnell baute die japanische Fluggesellschaft ANA, All Nippon Airways, das Hotel NIKKO auf der Immermannstraße. Heute ist es das CLAYTON Hotel, ein zur irischen Clayton-Hotelkette gehörendes Luxushotel.
Aber nicht nur im Stadtteil Zentrum Düsseldorfs ist Japan zuhause. Auf der anderen Rheinseite gibt es das EKO-Haus mit dem Kulturzentrum, dem Tempel und japanischen Gärten, Schulen und Kindergärten.
Schon seit 2002 feiert die Stadt Düsseldorf ihre Freundschaft zu Japan mit dem Japan-Tag. Entlang der Rheinuferpromenade gibt es in diesem Jahr am 23. Mai ein buntes Bühnenprogramm aus japanischen Tanz-Performances, Musikgruppen, traditionellen Kampfkünsten und verschiedenen Kulturangeboten. Und zum Abschluss findet das spektakuläre japanische Feuerwerk statt, für das extra spezialisierte japanische Pyrotechniker nach Düsseldorf kommen.
Steffi Valentin