Kulturkreis Meerbusch

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Der Medienhafen in Düsseldorf, einst Industrie- und Handelshafen, ist immer wieder oder immer noch ein Anziehungsmagnet. Er lockte wieder einmal so viele MKK-Interessierte an, dass wir zwei Führungen anbieten konnten. Und beide Besuche waren ein Erlebnis. Die Teilnehmer kamen aus dem Staunen nicht heraus. Wer meint, er kenne den Medienhafen, der hat sich geirrt, denn diese Location verändert sich so rasant schnell, immer wieder entstehen neue Gebäude, die alle in ihrer Architektur unterschiedlich sind. Das ist darin begründet, dass der Eigentümer des Geländes, die Stadt Düsseldorf, die Vermarktung der Fläche nicht nur an einen Investor vorgenommen, sondern frei verkauft hat.

Wir begannen unseren Spaziergang – übrigens beide Male bei idealen Wetterbedingungen, mit einer bestens vorbereiteten Stadtführerin und gut gelaunten Gästen - am 1982 fertiggestellten Fernsehturm und dem 1988 eröffneten Landtag, vorbei an Skulpturen mit dem klangvollen Namen One up, one down und der Energiepyramide (die den gleichen Winkel wie die Pyramiden von Gizeh hat), dann die immer wieder pittoreske Marina (gebaut in der Zeit des Handelshafens aus Basalt vom Siebengebirge). Neben den vielen privaten Motor-Yachten entdeckt man auch ein altes Segelschiff. Doch die faszinierendsten und international bekanntesten Gebäude hier im Medienhafen sind die drei unterschiedlichen Gehry-Bauten im Zollhof. Thomas Rempen, ein bekannter Werbeguru, hatte damals das Grundstück Zollhof erworben, wo heute die drei Gehry-Bauten stehen. Nachdem der erste Entwurf von der britisch-irakischen Architektin Zaha Hadid (mittlerweile verstorben) verworfen wurde, recherchierte Thomas Rempen erneut und nahm Kontakt zu dem amerikanischen Architekten Frank Gehry auf. Und dessen Entwürfe fanden seine absolute Zustimmung. Der Entwurf wurde umgesetzt und pünktlich zur Jahrtausendwende ergänzte das expressive Gebäudeensemble die Liste der Düsseldorfer Wahrzeichen. So ist das zum Hafen hin gelegene komplett verklinkerte „Haus A“ kantig verformt, während das mittige „Haus B“ eine wellige, die Umgebung spiegelnde Edelstahlfassade besitzt und beim weiß verputzten „Haus C“ die verschachtelten Bauvolumen großformatige Rundungen die Gestalt bestimmen.
Um den Bericht nicht unendlich auszudehnen, sollten hier nur die wichtigsten Gebäudekomplexe erwähnt werden. Aber es sind eben viele an der Zahl!

  • WDR/ZDF Landesstudio Düsseldorf – die Glasfront erinnert an einen Volksempfänger
  • Stadttor: Das Stadttor ist ein Bürohochhaus und gleichzeitig das Tor zur Innenstadt durch eine Tunnelröhre mit getrennter Ein- und Ausfahrt. Es war von 1999 bis 2017 als Amtssitz der NRW-Ministerpräsidenten genutzt. Nur der letzte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bevorzugte, das Land NRW aus der Staatskanzlei heraus zu regieren.
  • Le Grând Bateau: Das Gebäude erinnert an ein Containerschiff,
  • Shiseido: Das Gebäude hat die Form eines Kreuzfahrtschiffes
  • Trivago: Dieser riesengroße Gebäudekomplex verfügt auf dem Dach über eine Laufstrecke (Möglichkeit zum joggen, laufen, gehen), was sich sicherlich positiv auf die Arbeitsmoral der meist jüngeren Mitarbeiter auswirkt.
  • Win Win: Zwei sich gegenüberliegende Gebäude; geplant waren auf dem Dach zwei Figuren von Markus Lüpertz (die Königskinder … „Sie konnten zusammen nicht kommen …“), die sich die Hände reichen. Diese Idee wurde aber aus nicht bekannten Gründen verworfen). Win Win ist das einzige Gebäude im Medienhafen mit Wohnungen, auch möblierte. Über die Preise schweigen wir aber besser!
  • Geht man dann weiter über die Living Bridge läuft man auf das Colorium, das Bunte Haus, zu (erinnert an Legobausteine oder auch Mondrian).
  • In unmittelbarer Nachbarschaft blickt man auf das Gebäude der Alten Mälzerei. Die denkmalgeschützte Alte Mälzerei wurde 1897 erbaut und diente als Gerstenhandlung und Speicherei. Im Jahr 2002 wurde sie zu einer modernen Büroimmobilie umgebaut.
  • Zur anderen Seite an der Spitze des Hafens, wo früher das von Helge Achenbach realisierte Monkey’s Island mit Sandstrand und hohem Freizeitwert lag, steht heute das Hotel HYATT. Erwähnenswert ist hier die große breite Treppe zum Hotelaufgang. Der mittlere Teil kann bei Bedarf mittels Hydraulik nach oben gehoben werden, und es eröffnet sich der Eingang zum Ballsaal.

Weitere noch zu erwähnende Gebäude sind:

  • Haus vor dem Wind, das damals einzige Gebäude mit einer Privatwohnung. Der Eigentümer bewohnt die oberste großzügige Etage mit großer Dachterrasse, und wenn man Glück hat, sieht man dort oben auch eine seiner Nobelkarossen geparkt. Es gibt also einen eigenen Autoaufzug. Man gönnt sich ja sonst nichts! ?
  • Etwas Besonderes ist der gerade entstehende Gebäudekomplex mit dem Namen
  • Cradle-to-Cradle (heißt: von der Wiege zur Wiege) und bedeutet, dass 97 % der Materialien wiederverwertet werden können. Ein Modell der Zukunft, was sich hoffentlich mehr und mehr im Sinne der Nachhaltigkeit durchsetzen wird. Interessant ist noch zu erwähnen, dass demnächst in dieses Gebäude ein exklusives asiatisches Restaurant einer Schweizer Nobelkette einziehen wird.

So langsam kommen wir ans Ende der Führung, aber unsere Medienhafen-Stadtführerin Brigitte Salem gibt noch mal alles. Denn sie hat noch ein Highlight in petto, was sie uns unbedingt zeigen möchte: Das Gebiet um die Plange Mühle, eine ehemalige Weizenmühle. Hier sind bereits eine Praxis für Radiologie und eine Klinik für Orthopädie etabliert. Beabsichtigt ist, den Innenhof zu begrünen, einen Platz für Drohnen oder evtl. sogar einen Hubschrauberlandeplatz zu schaffen. Alles noch Zukunftsmusik, aber es wird kommen. Mit dem Plange Mühle Campus entsteht unter der Ägide des Architektenbüros Ingenhoven ein lebendiges, zukunftsweisendes Quartier am Wasser: Neben Medizinstandort soll der Campus auch Heimat für Unternehmen aus Mode¬, Medien¬, Architektur¬ und Beratungsbranche, Gastronomie und Veranstaltungsflächen sowie großzügige öffentliche Räume mit Park und Promenade entlang des Hafens werden. Das Ganze entsteht unter dem Begriff Pier One. Mit dem Pier One, der bis 2025 mitsamt seinen vier Brücken auf Pfählen im Wasser errichtet werden soll, entsteht eine ganz neue Infrastruktur im Hafen. Fast unglaublich, aber wohl wahr, was hier in den nächsten drei Jahren entstehen wird!

Und nun gibt es keinen Halt mehr, die zwei Stunden sind rum, und nun geht‘s zurück über die Living Bridge zum Uecker Platz/Platz der Medien. Hier erzählt Brigitte Salem uns noch eine letzte nicht ganz lustige Episode, der es an Komik nicht fehlt: Eigentlich hatte sich der Künstler Günther Uecker, der bekannte Nagelkünstler mit Mitbegründer der Zero-Gruppe, hier einen Platz zum Verweilen vorgestellt. In Zusammenarbeit mit dem Architekten Thomas Beucker ließ Uecker den Platz mit Sitzbänken aus Stein und locker auf den Boden gelegtem Kies gestalten. Dieser lebendige Untergrund wollte Uecker als Anspielung auf das Flussbett des nahe gelegenen Rheins verstanden wissen. Doch im Jahr 2000 ließ die Stadt den Platz asphaltieren, um ihn leichter pflegen zu können. Wie man sagt, hätte sich auch das nahe gelegene Restaurant über den durch die Kieselsteinchen unter den Schuhsohlen der Gäste verursachten Schaden am Fußbodenbelag beschwert. Nach scharfen Protesten des Künstlers wurde die Asphaltierung rückgängig gemacht und der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt. Es entstanden dadurch unnötige hohe Kosten. Doch schön ist der Platz leider immer noch nicht! Daran können auch die aufgestellten Palmen nichts ändern!

Deshalb zum Abschluss schnell weiter zur nahe gelegenen Bierbrauerei Eigelstein. Hier herrscht heile Welt. Hier sitzen nur Menschen, die ihren Aufenthalt mit Essen und Trinken genießen wollen. Und wir tun es ihnen gleich! Das deftige Essen und dat leckere Kölsch (trotz der bekannten Fehde zwischen Köln und Düsseldorf serviert man echtes Kölsch in kleinen Tulpengläsern?) sorgten für eine Wiederbelebung der Stadtführerin, der Teilnehmer*innen und einen würdigen Abschluss dieser zwei spannenden Führungen.
Fazit: Der Medienhafen verändert sich so rasant, dass es sich wirklich lohnt, ihn immer mal wieder zu besuchen. Aber heute geht erst einmal unser Dank an unsere tolle Stadtführerin Brigitte Salem. Ihr muss man an dieser Stelle noch ein Kompliment aussprechen, mit welchem architektonischen Fachwissen sie ihre Zuhörer*innen unterhalten hat. Bravo! Und 2025 kommen wir wieder, wenn das Pier One – nach dem Plan der Architektengruppe Ingenhoven - fertiggestellt ist.

Steffi Valentin

 

 

 

 

 

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