Kulturkreis Meerbusch

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Der Medienhafen in Düsseldorf, einst Industrie- und Handelshafen, ist immer wieder oder immer noch ein Anziehungsmagnet. Er lockte wieder einmal so viele MKK-Interessierte an, dass wir zwei Führungen anbieten konnten. Und beide Besuche waren ein Erlebnis. Die Teilnehmer kamen aus dem Staunen nicht heraus. Wer meint, er kenne den Medienhafen, der hat sich geirrt, denn diese Location verändert sich so rasant schnell, immer wieder entstehen neue Gebäude, die alle in ihrer Architektur unterschiedlich sind. Das ist darin begründet, dass der Eigentümer des Geländes, die Stadt Düsseldorf, die Vermarktung der Fläche nicht nur an einen Investor vorgenommen, sondern frei verkauft hat.

Wir begannen unseren Spaziergang – übrigens beide Male bei idealen Wetterbedingungen, mit einer bestens vorbereiteten Stadtführerin und gut gelaunten Gästen - am 1982 fertiggestellten Fernsehturm und dem 1988 eröffneten Landtag, vorbei an Skulpturen mit dem klangvollen Namen One up, one down und der Energiepyramide (die den gleichen Winkel wie die Pyramiden von Gizeh hat), dann die immer wieder pittoreske Marina (gebaut in der Zeit des Handelshafens aus Basalt vom Siebengebirge). Neben den vielen privaten Motor-Yachten entdeckt man auch ein altes Segelschiff. Doch die faszinierendsten und international bekanntesten Gebäude hier im Medienhafen sind die drei unterschiedlichen Gehry-Bauten im Zollhof. Thomas Rempen, ein bekannter Werbeguru, hatte damals das Grundstück Zollhof erworben, wo heute die drei Gehry-Bauten stehen. Nachdem der erste Entwurf von der britisch-irakischen Architektin Zaha Hadid (mittlerweile verstorben) verworfen wurde, recherchierte Thomas Rempen erneut und nahm Kontakt zu dem amerikanischen Architekten Frank Gehry auf. Und dessen Entwürfe fanden seine absolute Zustimmung. Der Entwurf wurde umgesetzt und pünktlich zur Jahrtausendwende ergänzte das expressive Gebäudeensemble die Liste der Düsseldorfer Wahrzeichen. So ist das zum Hafen hin gelegene komplett verklinkerte „Haus A“ kantig verformt, während das mittige „Haus B“ eine wellige, die Umgebung spiegelnde Edelstahlfassade besitzt und beim weiß verputzten „Haus C“ die verschachtelten Bauvolumen großformatige Rundungen die Gestalt bestimmen.
Um den Bericht nicht unendlich auszudehnen, sollten hier nur die wichtigsten Gebäudekomplexe erwähnt werden. Aber es sind eben viele an der Zahl!

  • WDR/ZDF Landesstudio Düsseldorf – die Glasfront erinnert an einen Volksempfänger
  • Stadttor: Das Stadttor ist ein Bürohochhaus und gleichzeitig das Tor zur Innenstadt durch eine Tunnelröhre mit getrennter Ein- und Ausfahrt. Es war von 1999 bis 2017 als Amtssitz der NRW-Ministerpräsidenten genutzt. Nur der letzte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bevorzugte, das Land NRW aus der Staatskanzlei heraus zu regieren.
  • Le Grând Bateau: Das Gebäude erinnert an ein Containerschiff,
  • Shiseido: Das Gebäude hat die Form eines Kreuzfahrtschiffes
  • Trivago: Dieser riesengroße Gebäudekomplex verfügt auf dem Dach über eine Laufstrecke (Möglichkeit zum joggen, laufen, gehen), was sich sicherlich positiv auf die Arbeitsmoral der meist jüngeren Mitarbeiter auswirkt.
  • Win Win: Zwei sich gegenüberliegende Gebäude; geplant waren auf dem Dach zwei Figuren von Markus Lüpertz (die Königskinder … „Sie konnten zusammen nicht kommen …“), die sich die Hände reichen. Diese Idee wurde aber aus nicht bekannten Gründen verworfen). Win Win ist das einzige Gebäude im Medienhafen mit Wohnungen, auch möblierte. Über die Preise schweigen wir aber besser!
  • Geht man dann weiter über die Living Bridge läuft man auf das Colorium, das Bunte Haus, zu (erinnert an Legobausteine oder auch Mondrian).
  • In unmittelbarer Nachbarschaft blickt man auf das Gebäude der Alten Mälzerei. Die denkmalgeschützte Alte Mälzerei wurde 1897 erbaut und diente als Gerstenhandlung und Speicherei. Im Jahr 2002 wurde sie zu einer modernen Büroimmobilie umgebaut.
  • Zur anderen Seite an der Spitze des Hafens, wo früher das von Helge Achenbach realisierte Monkey’s Island mit Sandstrand und hohem Freizeitwert lag, steht heute das Hotel HYATT. Erwähnenswert ist hier die große breite Treppe zum Hotelaufgang. Der mittlere Teil kann bei Bedarf mittels Hydraulik nach oben gehoben werden, und es eröffnet sich der Eingang zum Ballsaal.

Weitere noch zu erwähnende Gebäude sind:

  • Haus vor dem Wind, das damals einzige Gebäude mit einer Privatwohnung. Der Eigentümer bewohnt die oberste großzügige Etage mit großer Dachterrasse, und wenn man Glück hat, sieht man dort oben auch eine seiner Nobelkarossen geparkt. Es gibt also einen eigenen Autoaufzug. Man gönnt sich ja sonst nichts! ?
  • Etwas Besonderes ist der gerade entstehende Gebäudekomplex mit dem Namen
  • Cradle-to-Cradle (heißt: von der Wiege zur Wiege) und bedeutet, dass 97 % der Materialien wiederverwertet werden können. Ein Modell der Zukunft, was sich hoffentlich mehr und mehr im Sinne der Nachhaltigkeit durchsetzen wird. Interessant ist noch zu erwähnen, dass demnächst in dieses Gebäude ein exklusives asiatisches Restaurant einer Schweizer Nobelkette einziehen wird.

So langsam kommen wir ans Ende der Führung, aber unsere Medienhafen-Stadtführerin Brigitte Salem gibt noch mal alles. Denn sie hat noch ein Highlight in petto, was sie uns unbedingt zeigen möchte: Das Gebiet um die Plange Mühle, eine ehemalige Weizenmühle. Hier sind bereits eine Praxis für Radiologie und eine Klinik für Orthopädie etabliert. Beabsichtigt ist, den Innenhof zu begrünen, einen Platz für Drohnen oder evtl. sogar einen Hubschrauberlandeplatz zu schaffen. Alles noch Zukunftsmusik, aber es wird kommen. Mit dem Plange Mühle Campus entsteht unter der Ägide des Architektenbüros Ingenhoven ein lebendiges, zukunftsweisendes Quartier am Wasser: Neben Medizinstandort soll der Campus auch Heimat für Unternehmen aus Mode¬, Medien¬, Architektur¬ und Beratungsbranche, Gastronomie und Veranstaltungsflächen sowie großzügige öffentliche Räume mit Park und Promenade entlang des Hafens werden. Das Ganze entsteht unter dem Begriff Pier One. Mit dem Pier One, der bis 2025 mitsamt seinen vier Brücken auf Pfählen im Wasser errichtet werden soll, entsteht eine ganz neue Infrastruktur im Hafen. Fast unglaublich, aber wohl wahr, was hier in den nächsten drei Jahren entstehen wird!

Und nun gibt es keinen Halt mehr, die zwei Stunden sind rum, und nun geht‘s zurück über die Living Bridge zum Uecker Platz/Platz der Medien. Hier erzählt Brigitte Salem uns noch eine letzte nicht ganz lustige Episode, der es an Komik nicht fehlt: Eigentlich hatte sich der Künstler Günther Uecker, der bekannte Nagelkünstler mit Mitbegründer der Zero-Gruppe, hier einen Platz zum Verweilen vorgestellt. In Zusammenarbeit mit dem Architekten Thomas Beucker ließ Uecker den Platz mit Sitzbänken aus Stein und locker auf den Boden gelegtem Kies gestalten. Dieser lebendige Untergrund wollte Uecker als Anspielung auf das Flussbett des nahe gelegenen Rheins verstanden wissen. Doch im Jahr 2000 ließ die Stadt den Platz asphaltieren, um ihn leichter pflegen zu können. Wie man sagt, hätte sich auch das nahe gelegene Restaurant über den durch die Kieselsteinchen unter den Schuhsohlen der Gäste verursachten Schaden am Fußbodenbelag beschwert. Nach scharfen Protesten des Künstlers wurde die Asphaltierung rückgängig gemacht und der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt. Es entstanden dadurch unnötige hohe Kosten. Doch schön ist der Platz leider immer noch nicht! Daran können auch die aufgestellten Palmen nichts ändern!

Deshalb zum Abschluss schnell weiter zur nahe gelegenen Bierbrauerei Eigelstein. Hier herrscht heile Welt. Hier sitzen nur Menschen, die ihren Aufenthalt mit Essen und Trinken genießen wollen. Und wir tun es ihnen gleich! Das deftige Essen und dat leckere Kölsch (trotz der bekannten Fehde zwischen Köln und Düsseldorf serviert man echtes Kölsch in kleinen Tulpengläsern?) sorgten für eine Wiederbelebung der Stadtführerin, der Teilnehmer*innen und einen würdigen Abschluss dieser zwei spannenden Führungen.
Fazit: Der Medienhafen verändert sich so rasant, dass es sich wirklich lohnt, ihn immer mal wieder zu besuchen. Aber heute geht erst einmal unser Dank an unsere tolle Stadtführerin Brigitte Salem. Ihr muss man an dieser Stelle noch ein Kompliment aussprechen, mit welchem architektonischen Fachwissen sie ihre Zuhörer*innen unterhalten hat. Bravo! Und 2025 kommen wir wieder, wenn das Pier One – nach dem Plan der Architektengruppe Ingenhoven - fertiggestellt ist.

Steffi Valentin

 

 

 

 

 

Freigegeben in Neues vom MKK

Fangen wir doch einfach mal mit dem Wetter an: Wer von den Teilnehmer*innen erinnert sich noch an den Weltfrauentag 2017? An dem Tag hatte es wie aus Kübeln geschüttet, und unsere arme Stadtführerin Brigitte Salem musste hintereinander zwei Führungen durch die Altstadt abliefern, weil so viele Mitglieder Interesse gezeigt hatten. Noch im Nachhinein tut sie mir dafür leid. Aber in diesem Jahr am 8. März war das Wetter total anders: Es herrschte Bilderbuchwetter mit viel Sonnenschein! Da macht ein Spaziergang Laune!

Beginnen wir mit

Lore Lorentz (1920 - 1994) - Fast alle von uns kannten sie, denn sie hatte zusammen mit ihrem Ehemann Kay Lorentz im Jahr 1947 das erste Nachkriegskabarett auf der Hunsrücker Straße gegründet. 1967 folgte der Umzug zum Kay-und-Lore-Lorentz-Platz, wo das Kom(m)ödchen auch heute noch ist. Eigentlich sollte sie Kassiererin im Theater werden, doch weil durch Ausfall eine Rolle besetzt werden musste, sprang Lore Lorentz ein und bewies ihr Können und dass sie durchaus schauspielerische Begabung hatte. Im Laufe der Zeit kristallisierte sich immer mehr heraus, dass ihre wahre Spezialität und Begabung im Sprechgesang lag. 1976 - 78 wurde sie Professorin an der Folkwang Schule Essen (Musical, Song & Chanson). Kay und Lore Lorentz sollten 1976 das Bundesverdienstkreuz bekommen, doch sie lehnten dieses mit „freundlich-dankbarer Entschiedenheit“ ab.
Kay Lorentz starb 1993, Lore Lorentz 1994. Beide sind auf dem Friedhof in Düsseldorf-Heerdt begraben.
Vor dem Kommödchen stehen die vier Kariatyden des Bildhauers Wilhelm Albermann und nicht, wie auch häufig geschrieben, vom Bildhauer Leo Müsch. Sie dienten als Portalfiguren und sie konnten vor der Zerstörung des alten Museumsbaus im Zweiten Weltkrieg bewahrt werden. Sie stellen die vier Künste dar: Musik, Bildhauerei, Malerei und Architektur.
Seit 2001 stößt man überall in der Altstadt auf Düsseldorfs Säulenheilige. Sie haben nichts mit ihrem religiösen Namensvetter zu tun. Die Skulpturen, die von den Düsseldorfer Litfaßsäulen auf ihr Publikum herabblicken, entstammen aus der künstlerischen Hand Christoph Pöggeler. Er möchte mit seinen Arbeiten den Blick auf den Einzelnen richten, daher standen ihm auch Menschen aus dem Alltag Modell, darunter ein Geschäftsmann, ein Fotograf, eine Braut, ein Urlauber, ein Vater mit seinem Sohn und ein Obdachloser.
Und dann war da noch das Ofenrohr von Joseph Beuys, das über dem Eingang zum Kommödchen aus der Mauer ragt. Die Arbeit wurde 1981 von dem Künstler angebracht und endet im Innenraum der Kunsthalle, im Emporensaal, als Loch!

Weiter ging es zu Johanna Ey, (1864 - 1947) - von ihren Künstlern Mutter Ey genannt, was sie allerdings nicht mochte: Sie wuchs in einfachen Verhältnissen (Vater Alkoholiker) in Wickrath auf, zog nach Düsseldorf und heiratete (Ehemann auch Alkoholiker), bekam in ihrer 20-jährigen Ehe 12 Kinder, von denen nur vier das Erwachsenenalter erreichten.. 1907 eröffnet sie eine Backwarenhandlung und Kaffeestube auf der Ratinger Straße 45. Johanna kocht für Studenten, Professoren und Theaterleute. Sie hatte selbst nicht viel und wusste, was Hunger und Armut bedeutete. Aber sie hatte ein großes Herz und vertraute ihrem gesunden Menschenverstand. Bei Sympathie gewährte sie Kredit, d.h. die Künstler ließen anschreiben oder sie gaben ihr Bilder als Zahlungsmittel. Künstler wie Otto Dix, Max Ernst, Pankok, Schwesig, Wollheim und andere vertrauten ihr ihre Bilder zum Verkauf an. Sie ist zu dieser Zeit die meist gemalte Frau, da die Künstler sie aus Dankbarkeit malten. Mit 56 Jahren eröffnete sie ihre Galerie, das Zentrum der neuen Bewegung „Das junge Rheinland“. 1933 wurden einige „ihrer“ Künstler verhaftet oder mussten emigrieren. 1943 wird Johanna Ey ausgebombt. Sie zieht zu ihrer Tochter nach Hamburg. 1946 kommt sie zurück nach Düsseldorf, aber sie konnte an ihre früheren Erfolge nicht mehr anknüpfen. Sie stirbt 1947. Das Ehrengrab von Johanna Ey ist auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof.
Der neue Mutter-Ey-Platz zwischen Andreas Quartier und Neubrückstraße wurde 2017 eingeweiht und von einer 2,50 Meter hohen Bronzeskulptur (Künstler Bert Gerresheim) der berühmten Düsseldorfer Gastwirtin, Galeristin und Kunstförderin Johanna „Mutter“ Ey gekrönt.

Jakobe von Baden (1558 - 1597) - heiratete Johann Wilhelm, Sohn von Wilhelm dem Reichen, in Düsseldorf. Zehn Tage wurde gefeiert, es fanden großeFestmahle statt, Feuerwerk, Opernaufführung, Turniere zu Land und zu Wasser. Doch ihr Mann zeigte schon sehr bald Anzeichen von Schwachsinn, Verfolgungswahn, Diagnose: Leibesblödigkei. Nach dem Tod seines Vaters Wilhelm des Reichen 1592 versuchte Jakobe, das Regiment für ihren schwachen Ehemann zu übernehmen, der wegen seiner Tobsuchtsanfälle von ihr weggeschlossen wurde. Protestantisch geboren und katholisch aufgewachsen, konnte sie sich für keine der beiden konfessionellen Seiten entscheiden. Mangels an Gelegenheiten wurde sie nie schwanger und konnte somit nicht für einen Erben sorgen. Schließlich wurde sie verhaftet und im heute noch stehenden Schlossturm tot aufgefunden, nachdem sie am Abend zuvor noch Gäste empfangen hatte. Am Abend des 10. September 1597 wurde die Herzogin in der Kreuzherrenkirche und nicht in der Familiengruft der Lambertuskirche ohne Familienangehörige und unter Ausschluss der Öffentlichkeit beigesetzt. Ihr düsteres Ende hat ihr ein Nachleben als "Weiße Frau" eingebracht, da man sagt, dass sie mitternächtlich um den Turm schwebt und ihren Mörder sucht. Dass die Sage sie in eine "Weiße Frau" umdichtete, war insofern folgenreich, als es die Werbung für das in Düsseldorf von der Firma Henkel produzierte Waschmittel Persil inspiriert haben soll.

Elisabeth von Ardenne (1853 – 1952) - wurde zwangsverheiratet und flüchtete in eine Affäre mit einem Offizier. Ihr Gatte kam dahinter und streckte den Widersacher im Duell nieder. Leben und Schicksal der Elisabeth von Ardenne war Grundlage für Fontanes Gesellschaftsroman „Effi Briest“, welches zu einem Meisterwerk wurde.
Elisabeth von Geldern (1228 - ?), sie ist im Stadterhebungsmonument (Schlacht bei Worringen 1288) nur als Arm „verewigt“. Das Stadterhebungsmonument ist ein Denkmal zum Gedenken an die Verleihung der Stadtrechte an Düsseldorf. Die Plastik wurde vom Künstler Bert Gerresheim und wurde 1988 anlässlich der 700-Jahr-Feier errichtet.

Anna von Kleve (1515 - 1557) - geboren in Düsseldorf als zweite Tochter von Johann III, Herzog von Jülich-Kleve-Berg und Maria von Jülich. Anna wuchs in einem konservativen Umfeld in Schloss Burg an der Wupper auf. Bei ihrer Erziehung wurde Wert auf Stricken und Nähen gelegt, aber nicht auf Bildung wie Fremdsprachen, Singen oder auch Spielen. Sie war die Schwester von Wilhelm dem Reichen und wurde die vierte Ehefrau von Heinrich VIII. Er wählte Anna von Kleve nicht nur aus politischen Gründen aus, sondern auch weil ihm ihr von Hans Holbein gemaltes Porträt gefiel. Er unterschrieb den Ehevertrag, ohne sie persönlich kennen gelernt zu haben. Nach ihrer ersten Begegnung sah er sich jedoch in seinen Erwartungen enttäuscht und ließ die in Greenwich geschlossene Ehe ein halbes Jahr später mit Einwilligung von Anna für ungültig erklären, da sie nie vollzogen worden sei. Anna genoss weiterhin gesellschaftliche und finanzielle Privilegien als Schwester des Königs, so der offizielle Titel.
Sie starb 1557 an Krebs und wurde in Westminster Abbey bestattet.

Emilie Schneider (1820 – 1859) -  trat 1845 in den karitativen Orden der Töchter vom Heiligen Kreuz ein und wurde 1852 Oberin in Düsseldorf, um das zu dieser Zeit sehr desolate Theresienhospital personell und strukturell zu modernisieren, was ihr auch gelang. 1926 wurde das bis heute noch nicht abgeschlossene Seligsprechungsverfahren eingeleitet. Der Platz vo der Josephskapelle trägt seit 2001 ihren Namen.

Anna Maria Luisa de’ Medici (1667 - 1743) - war die Tochter von Cosimo III. de’Medici und Marguerite Louise d’Orléans. Ihre Mutter verließ die unglückliche Ehe und ging 1675 zurück nach Paris. Die Achtjährige Anna Maria Luisa wurde daraufhin von der Großmutter Vittoria della Rovere erzogen. Ihr Vater zog verschiedene mögliche Heiratskandidaten für seine Tochter in Erwägung. Schließlich wurde eine Heirat mit Johann Wilhelm von der Pfalz, bekannt als Jan Wellem, arrangiert. Bei ihrer Vermählung mit dem Kurfürsten im Jahr 1691 im Florentiner Dom handelte es sich um eine Trauung per Stellvertreter, bei der ihr Bräutigam nicht selbst anwesend war. Die Ehe von Anna Maria Luisa bildete in dieser Hinsicht jedoch eine bemerkenswerte Ausnahme. Sie erlebte bis zum Tod von Jan Wellem im Jahr 1716 eine zwar kinderlose, aber trotz allem glückliche Ehe. Beide liebten die Musik, die Malerei und die Jagd. Der Kurfürst und seine Gemahlin entwickelten als Förderer der Künste ihre Residenzstadt Düsseldorf zeitweise zu einer europäischen Kunstmetropole (Gemäldegalerie Düsseldorf, das barocke Opernhaus, Jagdschloss Bensberg sowie Renovierung und Ausbau des Düsseldorfer Schlosses).
Anna Maria Luisa pflegt ihren Mann nach einem Schlaganfall. Er stirbt 1716 in Düsseldorf. Nach dem Trauerjahr geht sie nach Florenz zurück. Sie stirbt 25 Jahre später. Wegen Hochwassers in Florenz wurde die Grabstätte 2012 geöffnet und man fand auf dem Schädel Reste des Kurhutes von Jan Wellem. Die Replika ist heute im Foyer des Derag-Livinghotels De Medici in der Düsseldorfer Altstadt an der Andreaskirche zu sehen.
Ihren gesamten Besitz vermachte sie der Stadt Florenz unter der Bedingung, dass er niemals Florenz verlassen darf. Ihr Grab befindet sich in der Krypta von San Lorenzo.
Heilige Kümmernis: In der Lambertuskirche findet man ein Bild von ihr am Kreuz. Sie war eine heidnische Prinzessin, Tochter eines portugiesischen Heidenkönigs, die sich aber zum Christentum bekannte. Da sie als Christin einen heidnischen Prinzen heiraten sollte, gelobte sie Jungfräulichkeit und bat Christus um einen Bart, der sie völlig entstellte. Sie wurde daraufhin vom wütenden Vater an ein Kreuz genagelt. Ihr Vater muss dann wohl gesagt haben: „Wenn dein heiliger Vater alles kann, dann kann er dich auch vom Kreuz erlösen.“_Vom Kreuz herab soll die standhafte junge Frau allerdings noch drei Tage lang tausende Heiden zum Christentum bekehrt haben, auch ihren Vater. Was diesen jedoch offenbar dennoch nicht dazu veranlassen konnte, ihr den grausigen Tod am Kreuz zu ersparen.

Gräfin Sophie von Hatzfeldt-Wildenburg-Schönstein (1805 - 1881) - genannt „Rote Gräfin“.
Um Familienstreitigkeiten zwischen den Linien Hatzfeldt-Trachenberg und Hatzfeldt-Wildenburg zu beenden, zwang man die 17-jährige Sophie zur Heirat mit ihrem brutalen und gewalttätigen Vetter aus der Linie Wildenburg, Edmund von Hatzfeld-Wildenburg-Weisweiler, einem vermögenden Mann mit Wohnsitzen auf Schloss Kalkum bei Düsseldorf, Schönstein und Schloss Crottorf. Ihre ersten beiden Kinder wurden ihr früh genommen und sie wurde immer öffentlich gedemütigt. Schon um 1830 wollte sie sich scheiden lassen, ihre Familie versagte ihr jedoch jede finanzielle Unterstützung. Seit 1846 betrieb sie die Scheidung selbst und wurde dabei von dem späteren Arbeiterführer Ferdinand Lassalle unterstützt. Er arbeitete sich in die Rechtswissenschaft ein und stritt jahrelang an sechs Gerichten für sie. Seit 1848 lebte die „rote Gräfin“ mit Lassalle in Düsseldorf Am Hofgarten zusammen. Auch nach ihrer Scheidung 1851 blieben die beiden bis 1856 ohne Trauschein zusammen; danach zog sie nach Berlin; sie blieben aber in engem Kontakt. Lassalle stirbt bei einem Duell in Genf. Am Eingang zum Garten vom Stadtmuseum ist eine Bronzebüste von Ferdinand Lassalle zu sehen.

Clara Schumann geb. Wieck (1819 - 1896) - wurde von ihrem strengen Vater zur Pianistin ausgebildet. Auch Robert Schumann war Schüler von Claras Vater. Der Vater verbot ihr den Kontakt zu Robert Schumann. Robert hatte keine Chance auf Karriere als Pianist, da der Mittelfinger an der rechten Hand lädiert war. Trotz väterlichen Verbotes wurden die beiden ein Paar und erstritten sich vor dem Gericht die Heiratserlaubnis. Sie hatten acht Kinder. Robert wurde ein erfolgreicher Komponist und Clara setzte ihre Karriere auf Konzertreisen unter anderem nach Dänemark und Russland fort. 1850 wurde Robert Schumann Musikdirektor in Düsseldorf. Sie zogen in das Haus Bilker Straße 15. 1853 lernten beide in Düsseldorf Johannes Brahms kennen. Doch schon sehr bald wurde Robert Schumann krank und schwermütig. 1854 versuchte er, sich das Leben zu nehmen. Er kam in eine Nervenheilanstalt in Endenich, wo er 1856 starb. Clara lernte Johannes Brahms kennen. Der Kontakt wurde sehr intensiv: teilweise wohnten Brahms und Clara zusammen. Sie genoss den großen Erfolg als gefeierte Pianistin, zog nach Berlin und später nach Baden-Baden. Im Jahr 1896 erlitt Clara einen Schlaganfall und starb wenige Monate später im Alter von 76 Jahren. Zu Ehren von Clara und Robert Schumann gibt es in Düsseldorf die Clara-Schumann-Musikschule und die Robert-Schumann-Musikhochschule.
Ihrem Wunsch gemäß wurde Clara in Bonn auf dem Alten Friedhof neben ihrem Mann beigesetzt. Bei der Gelegenheit noch eine Anmerkung: Am 18. August plane ich einen Tagesausflug nach Bonn. Am Nachmittag werden wir den Alten Friedhof besuchen und Clara und Robert Schumann einen Besuch abstatten.

Zum Schluss noch ein paar Worte zur Armenküche, die 1992 ins Leben gerufen wurde. Heute standen wir vor der bereits verschlossenen grünen Eingangspforte. Hier bekommen täglich (bis auf Rosenmontag!) in der Zeit von 12.30 - 14.00 Uhr Obdachlose und Hilfsbedürftige gegen ein geringes Entgelt eine warme Mahlzeit, die von ehrenamtlichen Mitarbeitern gekocht wird. Die Armenküche lebt ausschließlich von Spenden.

Nach einer gelungenen Führung gab es für Brigitte Salem viele Komplimente und großes Lob. Als ein besonderes Kompliment für Brigitte kann die Teilnahme der Meerbuscher Gleichstellungsbeauftragten Claudia Müllejans gesehen werden. Vielleicht lässt sich mit ihr zusammen in den kommenden Jahren anlässlich des Weltfrauentages ein gemeinsames Projekt ins Leben rufen. Auf beiden Seiten besteht großes Interesse.

Steffi Valentin

 

Freigegeben in Neues vom MKK
Montag, 30. November 2020 18:59

Mit Heine im Sinn durch Düsseldorf

Geführter Spaziergang mit Brigitte Salem auf den Spuren von Harry Heine

Heinrich Heine – oder besser Harry Heine, wie seine Eltern ihn ursprünglich nannten und wie er bis zu seiner Taufe 1825 hieß – verbrachte seine ersten 18 Lebensjahre in Düsseldorf. Er hat die enge Verbundenheit mit seiner Heimatstadt vielfach literarisch verarbeitet.

Eine Corona-bedingt kleine Gruppe von 15 Personen lernte am 24.09.2020 und 06.10.2020 unter der Leitung von Brigitte Salem einige der Häuser und Orte kennen, die für den berühmtesten Sohn Düsseldorfs von Bedeutung waren: Das Geburtshaus in der Bolkerstraße, das Haus des Onkels Simon van Geldern in der Mertensgasse, die Max-Schule in der Citadellstraße sowie weitere Straßen und Plätze, die im Folgenden erwähnt werden.

Heinrich Heine war der älteste Sohn des jüdischen Tuchhändlers Samson Heine und dessen Frau Betty, geborene van Geldern. Er wurde (wahrscheinlich) am 13. Dezember 1797 im Hintergebäude des Hauses Bolkerstraße 53, im Herzen der heutigen Altstadt, geboren. Der Familientradition folgend, sollte Harry einen kaufmännischen Beruf ergreifen, ihn zog es jedoch schon früh zur Literatur.

Auf dem Dachboden der „Arche Noah“, wie das Haus seines Onkels Simon in der Mertensgasse auch genannt wurde, stöberte er gerne in der großen Bibliothek des gleichnamigen Großonkels, den man auch den „Morgenländer“ nannte, weil er bis in den Orient gereist war. Der kleine Harry las mit Begeisterung dessen Tagebücher, die von einem ganz und gar phantastischen Leben berichteten.

Fasziniert hat ihn auch der Tambour Le Grand, der während eines Teils der der „Franzosenzeit“ (1794 – 1815) im Elternhaus einquartiert war. Er lernte von ihm u.a. die Trommelsignale kennen, die im Kampf benutzt wurden und hat ihm im „Buch Le Grand“ ein Denkmal gesetzt.

Der Vorname Harry geht übrigens auf einen Geschäftsfreund des Vaters zurück und machte dem kleinen Jungen in der Schule schwer zu schaffen: die Mitschüler hänselten ihn deswegen.

Napoleons Code Civil erlaubte Heine, eine christliche Schule zu besuchen, und so ging er ab 1804 in die städt. Grundschule (heute Max-Schule an der Citadellstraße) und 1810 in die Vorbereitungsklasse des Düsseldorfer Lyzeums, des heutigen Görres-Gymnasiums. Wir wissen, dass er häufig Prügel von verschiedenen Lehrern bezog, vor allem weil er alles andere als lernwillig oder gar brav war. Einerseits wird berichtet, dass er eine Klasse übersprungen haben soll, andererseits verließ er das Lyzeum 1814 ohne Abschluss.

Der Mutter war wichtig, dass ihr Sohn Karriere machte. In ihren Augen gehörte dazu, dass er Geige spielen und tanzen lernte. Was Harry davon hielt, zeigen zwei Anekdoten. Die eine berichtet davon, dass die Mutter ganz verzückt dem Geigenspiel ihres Sohnes lauschte, bis sie dahinter kam, dass es der Geigenlehrer war, der da spielte. Die zweite sagt, dass Harry den Tanzlehrer aus dem Fenster geworfen habe. Wie der „rosenlaunige“ Vater darauf reagiert hat, ist nicht überliefert.

Der Heine-Spaziergang führte über den Schlossplatz zum Marktplatz, wo noch heute die imposante Statue des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, liebevoll Jan Wellem genannt, auf dem Pferd zu sehen ist. Dort spielte Heine gerne und erkletterte auch das Denkmal des Landesvaters.

Auf der Berger Straße machte Frau Salem auf ein Bodendenkmal aufmerksam, das im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten und sicherlich oft übersehen wird:  Heines Erkenntnis „Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt.“ ist in einige der Pflastersteine eingraviert. Wer es weiß, der sieht es auch.

Der Weg der Gruppe führte vorbei am Heine-Institut, dessen Fassade Loreley-Textfahnen zieren, und endete am Schwanenmarkt vor dem Heine-Denkmal von Bert Gerresheim, das 1981 eingeweiht wurde.

Das Werk von Gerresheim, auch  „gespaltener Heine“ genannt, war wegen der unkonventionellen Darstellung anfangs sehr umstritten. Man könnte es als ein „Fragemal“ bezeichnen, denn es wirft mehr Fragen auf als es Antworten gibt; es zeigt vor allem den „zerrissenen“ Heine.

Dieser ging selbst davon aus, nach seinem Tod in Düsseldorf durch ein Denkmal geehrt zu werden. In einem Brief an seinen Bruder Max schrieb er am 29. August 1837: „Ich werde wahrscheinlich die Zahl jener edelsten und größten Männer Deutschlands vermehren, die mit gebrochenem Herzen und zerrissenem Rock ins Grab steigen. In Düsseldorf wird mir dann wohl ein Monument gesetzt werden.“

Er hatte recht.

Gisela Saßmannshausen

 

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