Kulturkreis Meerbusch

Dienstag, 13 März 2018 23:57

MKK besuch GURLITT-Ausstellung

MKK besucht HAUS DER GESCHICHTE und GURLITT-Ausstellung in Bonn

Am 10. März standen erneut zwei vielversprechende Besuche auf dem Programm: 50 Teilnehmer hatten sich angemeldet, und sie sollten nicht enttäuscht werden.

Wir besuchten am Vormittag das Haus der Geschichte, das nach fast einjähriger Schließung wegen einer Dachsanierung die Dauererstellung wieder eröffnet bzw. aktualisiert hatte. Auf 4.000 Quadratmetern werden 7.000 Exponate gezeigt. Unter dem Titel "Unsere Geschichte. Deutschland seit 1945" konnten die Teilnehmer die Entwicklung verfolgen und teilweise auch noch einmal miterleben, denn die meisten hatten noch persönliche Erinnerungen, die bis 1945 zurückreichten: Die Teilung Deutschlands, Wiederaufbau, Kalter Krieg und friedliche Revolution sind nur einige der Themen, die wir entdecken konnten. Originalobjekte, anschaulich in Szene gesetzt, erzählen unsere Geschichte. Zu den Highlights gehört das Bundestagsgestühl, in dem Ausschnitte aus Bundestagsdebatten der 1950er Jahre ausgewählt werden konnten. Im Originalkino und der Eisdiele aus den 1950er Jahren wird ebenso Alltagsgeschichte lebendig wie im "Wirtschaftswunder"-Kaufhaus. Originalsteine der Berliner Mauer von 1961 erinnern an ein schmerzliches Kapital deutscher Geschichte. Und der Hippie-Bulli in rosé lässt die Zeit von "Love and Peace" lebendig werden.

Die Einflüsse der Globalisierung auf das alltägliche Leben, die Lebensverhältnisse von Migranten in Deutschland, die Internationalisierung des Terrorismus sowie die aufkommende Digitalisierung sind Themen am Ende der Dauerausstellung: Im völlig neu überarbeiteten Teil wird ein Boot präsentiert, mit dem Menschen über das Mittelmeer geflüchtet waren, sowie weg geworfene Rettungswesten, die auf der Insel Lesbos eingesammelt worden sind. Aber auch Trümmer der Twin Towers in New York werden gezeigt.

Nach dem Besuch des Haus der Geschichte war ausreichend Gelegenheit, sich in den diversen Restaurants zu stärken, bevor es dann um 15 Uhr mit einer Führung in zwei Gruppen durch die Gurlitt-Ausstellung unter dem Titel "BESTANDSAUFNAHME GURLITT. Der NS-Kunstraub und die Folgen." weiterging. Die Bundeskunsthalle in Bonn und das Kunstmuseum Bern zeigen zeitgleich in zwei Ausstellungen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten Kunstwerke aus dem Nachlass von Cornelius Gurlitt, dem Sohn des während der NS-Zeit tätigen Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt. Cornelius Gurlitt hatte vor seinem Tod dem Kunstmuseum Bern alle Kunstwerke vermacht. Bern hat sehr schnell Bonn mit ins Boot genommen. Hier wurden vom 3. November 2017 bis zum 11. März 2018 NS-Kunstraub-Gemälde gezeigt, während Bern sich ausschließlich auf "Entartete Kunst" konzentrierte.

Hier eine kurze Zusammenfassung:

Vor fünf Jahren beschlagnahmten Zollbeamte in der Münchener Wohnung des damals 80-jährigen Cornelius Gurlitt, Sohn von Hildebrand Gurlitt und inzwischen verstorbenen Kunst-Erben 1.259 Kunstwerke. Das Konvolut entpuppte sich als Restbestand des Depots von Hildebrand Gurlitt, der während des Nationalsozialismus als Kunsthändler tätig war; auch in Hitlers Diensten. Doch nicht nur in seiner Münchener Wohnung hatte Gurlitt die Kunstwerke regelrecht gestapelt, auch in seinem Haus in Salzburg nahm die österreichische Behörde vor drei Jahren mehr als 60 Kunstwerke und später noch einmal weitere 180 in ihre Obhut. Leider stellte sich heraus, dass fast alle im Laufe der Jahrzehnte feucht geworden. Eines der Prachtstücke, "Waterloo Bridge" von Claude Monet (1903) war sogar vollständig von Schimmel überzogen. Zurzeit hängt dieses Bild in der Restaurierungswerkstatt der Bonner Bundeskunsthalle. Doch man muss abwarten: Noch sind wahrscheinlich nicht alle Sporen beseitigt und der Schimmel könnte wieder zurückkehren.

Hier in Bonn konzentriert man sich in der Ausstellung vor allem auf jene Werke, die in enger Verbindung mit dem NS-Kunstraub stehen, sowie den Schicksalen der verfolgten, meist jüdischen Künstler, Sammler und Kunsthändler. Die Bundeskunsthalle präsentiert rund 250 Werke, von denen die meisten NS-verfolgungsbedingt entzogen wurden oder deren Herkunft noch nicht geklärt werden konnte.

Die Ausstellung ist in fünf Kapitel gegliedert. Die Themenschwerpunkte beziehen sich auf unterschiedliche historische Zeiträume: Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und die Weimarer Republik. Deutschland nach der Machtergreifung 1933, insbesondere aber die Situation ab 1938, als durch den "Führervorbehalt" die Grundlage für den beispiellosen und systematisch organisierten Kunstraub geschaffen wurde. Am Schluss der Ausstellung richtet sich der Blick zudem auf die unmittelbare Nachkriegszeit und den heutigen Umgang mit teils noch immer ungeklärten Fragen, die sich auf Restitution und Verantwortung beziehen, auf den Stellenwert von institutionalisierter Provenienzforschung und auf ein generelles Bewusstsein für die komplexen Zusammenhänge und Widersprüche auf diesem Gebiet.

Fazit: Spannender hätten diese beiden Ausstellungen nicht sein können. Gut ist, dass wir Das Haus der Geschichte problemlos irgendwann einmal wieder besuchen können, während die Bonner Gurlitt-Ausstellung einen Tag nach unserem Besuch, also am 11.3. endete. Sie wird ab Herbst 2018 im Martin-Gropius-Bau Berlin zu besichtigen sein.

Steffi Valentin

 

 

 

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