Dienstag, 14 August 2018 21:10

Meerbuscher Kulturkreis besuchte Lüttich

Ganz begeistert, aber leicht ermüdet aufgrund der großen Hitze, kehrten 43 Teilnehmer von einer Tagesbusfahrt nach Lüttich zurück. Lüttich, 200.000 Einwohner, eine Stadt an der Maas in der französischsprachigen Region Wallonien in Belgien, ist seit langem ein kommerzielles und kulturelles Zentrum. Die Altstadt ist durch Sehenswürdigkeiten aus dem Mittelalter geprägt.

Bei einer zweistündigen geführten Stadtrundfahrt am Vormittag im eigenen BRINGS-Bus lernten wir die Highlights der Stadt kennen. Direkt zu Beginn standen wir vor dem spektakulärsten Highlight der Stadt, dem im Jahr 2009 eröffneten super modernen Hochgeschwindigkeitsbahnhof Guillemins Calatrava vom berühmten spanisch-schweizerischen Architekten Santiago Calatrava. Lüttich fungiert als Knotenpunkt zwischen den europäischen Metropolen London, Brüssel, Paris, Amsterdam und Köln. Der Neubau war dringend nötig, um dem Hochgeschwindigkeitsnetz für TGV, Thalys und ICE gerecht werden zu können. Seit der Fertigstellung rückt Europa näher zusammen: Nach Brüssel fährt man nur mehr 40 Minuten, nach Köln eine knappe Stunde, nach Paris in etwa zwei und nach London drei Stunden.

Der Bahnhof selbst besticht vor allem durch sein gewaltiges und gleichzeitig filigranes Dach aus Stahl und Glas, das sich über die Bahnsteige legt und fließend in die geschwungene Überdachung der Haupthalle übergeht. Diese erhebt sich wie eine Welle bis zu 50 Meter über das Terrain, bevor sie sich wieder zum anderen Ende der Gleise des Durchgangsbahnhofes senkt. Getragen wird dieses Dach von 39 weißen Stahlbögen mit einer Spannweite von jeweils 157 Metern.

Ein weiteres kulturelles Aushängeschild der Stadt dürfte das im Frühjahr 2016 neu eröffnete Museum La Boverie im wunderschönen Museumspark sein. Für die Bewohner ist dieser Park die Grüne Lunge der Stadt. Das Museumsgebäude stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert und ist ein nachhaltiges Erbe der Weltausstellung im Jahr 1905. Es beherbergt das Museum der Schönen Künste, mit bemerkenswerten Sammlungen wallonischer und internationaler Kunst. Es verfügt außerdem über einen Bereich für Wechselausstellungen von internationalem Renommee. Bei einer fast zweistündigen Führung erlebten wir die großartige Ausstellung "Viva Roma!" und die Dauerausstellung. "Viva Roma!" ist in Zusammenarbeit mit dem Pariser Louvre entstanden. La Boverie zeigt Kunstwerke der Museen in San Francisco, Cleveland, Budapest, Kopenhagen, dem Yale Center for British Art, dem Getty-Museum in Los Angeles, dem Capodimonte in Neapel und von zahlreichen französischen Museen der Bildenden Kunst und zeigt wichtige Leihgaben des Louvre.

Imposant ist auch das neue Finanzamt, eher ein Finanzturm. Die Bauarbeiten an dem Gebäude wurden nach viermonatiger Verspätung wegen Beschwerden des Stadtrats im März 2012 aufgenommen und im Mai 2014 beendet. Ende 2014 wurde das Hochhaus von 1100 Mitarbeitern bezogen. Der Tour des Finances de Liège hat eine Höhe von 136 Metern, die sich auf 27 Etagen verteilen. Somit ist es das höchste Gebäude der Stadt.

Beeindruckt hat auch die neue Oper, die komplett saniert wurde und mit einem zusätzlichen Anbau in Form einer höheren quadratischen "Holzkiste" im Kontrast zu dem klassischen Hauptbau ein interessantes Gebäude darstellt. Die Opéra Royal de Wallonie-Lüttich wurde im Herbst 2015 wiedereröffnet. In dem Anbau ist die gesamte Bühnentechnik untergebracht, die zu den besten der Welt zählt.

Erwähnt werden muss noch das berühmte Rote Gebäude der Stadt: Das Museum Grand Curtius. Dieses Gebäude ist selbst schon ein Kunstwerk.

Danach folgte die wohl verdiente Mittagspause, die die Meerbuscher bei einem kleinen Mittagessen in dem Restaurant La Capitainerie direkt am Yachthafen verbrachte. Es war ein gemütliches Plätzchen, das Ambiente pittoresk, aber das Essen, die Pommes … da hatte ich schon besser gegessen und mehr erwartet!

Wegen der großen Hitze wurde der geplante zweistündige Stadtrundgang durch das "Carré/Cathédrale/Vertbois Viertel" und dem historischen Herzen von Lüttich auf eine Stunde verkürzt. Die zwei Gruppen wurden von ihren jeweiligen Gästeführerinnen - beide hießen übrigens Helene (Deutsche) und Hélène (Wallonin ) - in den Innenhof des Prinzbischöflichen Palast geführt, wo sie im Schatten des Gebäudes Interessantes über diesen Bau erfuhren. Heute ist dieser ehemalige Palast Sitz der Regierung der Provinz Lüttich und der Justiz.

Geschichtlicher Hintergrund: Das Fürstenturm Lüttich war mehr als 10 Jahrhunderte lang unabhängiges Gebiet, regierte von einem Prinzbischof, der sowohl die religiöse als auch die politische Macht ausübte. Der Palast der Prinzbischöfe ist Symbol für diese Doppelfunktion. Gleichzeitig ist der Palast Ausdruck der großen Wichtigkeit seines Bewohners. Im Laufe der Wiederaufbauten wurde er den jeweiligen architektonischen Vorlieben der Zeit angepasst.

Architekturgeschichte und Brandschäden: Der erste Bischofspalast wurde von Notger (972-1008) zur gleichen Zeit wie die gegenüberliegende Kathedrale erbaut und im Jahr 1185 durch einen Brand zerstört (Wiederaufbau 1188). Ein erneuter Brand zerstörte den Palast 1505. Diesmal übernimmt Kardinal Erard den Wiederaufbau (1526-1536). Die neue Version weist mit den 60 reich verzierten Säulen sichtbar italienischen Einfluss auf. 1734 wurde der Südflügel erneut durch ein Feuer zerstört. Die Außenfassade wurde in klassischem Stil wieder aufgebaut.

Das letzte Programm für den Lüttich-Besuch stand uns jetzt noch bevor: Verkostung der berühmten Lütticher Waffel. Ja, die schmeckte gut; war alles nur ein bisschen ungemütlich, da wir sie im Stehen essen mussten. Am Ende fanden wir - an vielen Eindrücken reicher aber ziemlich groggi wegen der Hitze - alle noch Zeit, in den vielen kleinen Cafés und Restaurants einen Kaffee oder ein Kaltgetränk zu uns zu nehmen. Dann ging's zurück zum Bus, da die Mehrheit der Teilnehmer den Wunsch geäußert hatte, früher zurückfahren. Die Hitze hatte den meisten von uns ganz schön zu schaffen gemacht.

Erholung gab's dann im klimatisierten BRINGS-Bus, der uns dank des sehr erfahrenen Busfahrers wieder sicher nach Meerbusch zurück brachte.

Steffi Valentin

Freigegeben in Neues vom MKK

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