Artikel nach Datum gefiltert: Montag, 23 April 2018 - Meerbuscher Kulturkreis e.V.
Montag, 23 April 2018 23:07

Ein Spaziergang durch Neuss

Für Sehenswertes in unserer unmittelbaren Nähe nehmen wir uns selten Zeit. Aber am 14. April 2018, einem sonnigen Samstag, haben sich einige Mitglieder und Gäste des MKK zu einem Spaziergang durch das historische Neuss getroffen. Es hat sich gelohnt, vieles über die 2000 Jahre der Stadtgeschichte zu hören.

Das „Castrum Novaesium“ - an der Erftmündung gelegen- war lange Zeit römisches Feldlager. Somit gehört Neuss zu den ältesten Städten in NRW. Wir haben im RomaNEum anhand von archäologischen Ausgrabungen die Entwicklung von der römischen Kleinstadt zur mittelalterlichenHafenstadt erfahren können. Im Mittelalter spielte sich das Leben rund um die Basilika St. Quirin ab. Das heutige Zeughaus hat eine wechselvolle Geschichte. Es war die Klosterkirche der Franziskaner, die umliegenden Häuser bildeten die Klostergebäude. Es diente zwischenzeitlich als Gymnasium, als Zeughaus für das Landwehr-Bataillon, als Getreidelager, Kaufhaus, Theater und ist heute die gute Stube der Stadt, die wegen der guten Akustik gern für Konzerte genutzt wird.

Das Neuss ein Zentrum des Weinhandels zur Hansezeit und mit unserem holländischen Nachbarn lebhaften Handel trieb, überraschte uns alle ein wenig. Der Rhein als wichtigste Verkehrsader machte es möglich.

Die Basilika St. Quirin zählt zu den ältesten Sakralbauten am Niederrhein und ist durch seine unvergleichbare Silhouette das Wahrzeichen der Stadt. 1209 erbaut im Übergang zwischen Romanik und Gotik orientierte man sich an St. Maria im Kapitol in Köln. Nach einem Brand im 18. Jhdt. erhält die Kirche eine barocke Kuppel an deren Spitze eine Quirinus-Statue steht. Den Innenraum bildet ein dreiteiliges Kirchenschiff. Über dem Altar erhebt sich mit 45 m eine der höchsten Kuppeln Mitteleuropas. In der Apsis ist der Quirinusschrein aus dem 19. Jhdt. zu sehen, das mittelalterliche Original ist sich im Clemens-Sels-Museum untergebracht. Unter dem Altar befindet sich die Krypta mit Säulen aus 1050 und Fußbodenresten aus dem 9. Jhdt. der älteste Teil der Kirche.

Zum Abschluss haben wir noch Wissenswertes über das Schützenwesen erfahren und dass das jährliche Schützenfest das wichtigste Ereignis der Stadt Neuss ist. Es hat eine lange Tradition, und wer etwas auf sich hält, ist in mindestens einem Schützenverein. So endete unsere Tour vor dem Haus der Schützen und auch Erwachsene haben Freude an dem Glockenspiel mit dem kleinen Schützenzug, der auf der Empore um 17:00 h vorbei zieht.

Hier endete unser Weg. Es gäbe jedoch noch eine Menge mehr zu sehen.

Freigegeben in Neues vom MKK

Unser zweiter Besuch auf Melaten und im Kolumba war wieder ein Erlebnis. Nur leider sind einige angemeldete Teilnehmer der immer noch grassierenden Grippewelle zum Opfer gefallen. Am Ende waren wir 36 Teilnehmer, die diesen sonnigen Samstag, 24. März in Köln erlebten.

Kurze Einführung zur Geschichte des Melaten Friedhofes:

Melaten war eine römische Siedlung, die ursprünglich gar nicht zu Köln gehörte und erst im 12. Jahrhundert eingesiedelt wurde. In dieser neu hinzugekommenen Ortschaft wurden Todkranke und Menschen mit scheinbar und tatsächlich hoch ansteckenden Krankheiten eher verschachert als begraben.  Daher auch der Name "Die Maladen è Melaten", Europas größtes Siechenhaus. 1243 wurde der "hoff to Malaten" (Hof zu Melaten) erstmals urkundlich erwähnt. Mit der Gestaltung des Friedhofes wurde Ferdinand Franz Wallraf beauftragt, der sich den Pariser Friedhof Père Lachaise zum Vorbild nahm. Geweiht wurde der Melaten Friedhof schließlich im Jahr 1810 durch Dompfarrer Michael Joseph Dumont. Der Friedhof erlebte im Laufe der Geschichte mehrfach Zerstörungen. Die schlimmsten Verwüstungen richteten Fliegerbomben am 30. und 31. Oktober 1944 an.

In einem zweistündigen, von dem Melaten-Experten Günter Leitner, geführten Spaziergang lernten wir dieses Mal vor allem den Nordteil des Friedhofs kennen. Es bestand bei fast allen Teilnehmern der Wunsch, die Grabstätte der Familie Millowitsch zu besuchen. Es würde zu weit führen, auf alle Gräber detailliert einzugehen, dafür haben wir viele Bilder hier auf die Homepage gebracht, die bestimmt aussagekräftig genug sind. Nur einige wenige Gräber möchte ich an dieser Stelle herausheben und näher auf sie eingehen: Für uns alle war das berührendste Grab das von Moritz Ritterbach, Sohn des Vizepräsidenten des Fußballvereins FC Köln, der mit 23 Jahren am  23. Februar 2018 verstorben ist. Er wurde mit einer unheilbaren Erkrankung des Bindegewebes geboren und musste immer wieder operiert werden. Moritz Ritterbach war der Zwillingsbruder von Felix, der am Tage der Beerdigung sagte: "Du hast immer so viel mehr gegeben als du genommen hast." Moritz war ein glühender Fan des FC Köln. Mitten in seinem liebevoll gestalteten Grab mit einem fast Sarg-großen Kissen aus bunten Frühjahrsblumen steht ein fast lebensgroßer Geißbock mit einem FC Köln Fan-Schal um den Hals. Und auf dem Geißbock haben sich alle Fußballspieler des Vereins mit Unterschrift verewigt. Und dann natürlich die Grabstätte der Familie Millowitsch. Jeder kennt Willy Millowitsch, den deutschen Theaterschauspieler und einer der bekanntesten Kölner Volksschauspieler sowie Gründer des privaten Kölner Millowitsch-Theaters, in dem erst vor einigen Wochen endgültig der Vorhang gefallen ist. Willy Millowitsch starb am 25. September 1999 mit 90 Jahren. Eine imposante Grabstätte, aber doch in seiner Gestaltung für einen Willy Millowitsch recht schlicht.

Das Grab des bekannten Kölner Musikers ("Ene Besuch im Zoo" und "Ich bin ne kölsche Jung" und viele andere Lieder) und Redners Horst Muys hat eine ganz besondere Bewandtnis. Horst Muys starb im Jahr 1970. Es kamen 7000 Gäste zu seiner Beerdigung, doch 45 Jahre später kämpfte ein kleiner Kreis für den Erhalt seines Grabes, da die Ruhezeit abgelaufen war und die Grabstätte eingeebnet werden sollte. Durch Spenden konnte das Grab nun zurückgekauft werden. Erst vor wenigen Wochen wurde das Grab neu gestaltet, und im Beisein seiner Tochter enthüllten zwei Mitglieder von den Roten Funken und des Festkomitees Kölner Karneval eine Stele mit den Daten vom kölschen Original Horst Muys. Einer dieser anwesenden Herren war unser Melaten-Experte und -Führer Günter Leitner. Er verriet uns auch, dass er diese Grabstätte eines Tages mal übernehmen wird!

Zum Abschluss möchte ich noch eine Grabstätte erwähnen, die wohl eines der bekanntesten Grabmale auf Melaten beherbergt: Der Sensenmann. Der Bildhauer August Schmiemann hatte das Grabmal für den Kaufmann Johann Müllemeister erschaffen. In der rechten Hand hält die Figur eine Sanduhr und in der linken Hand eine Sense. Die Paten dieser Grabstelle, die Steinmetzfamilie Steinnus, ließen dort ihren kleinen Sohn Martin begraben. Ein besonderes Merkmal ist ein Frosch neben dem Grabstein, in Anlehnung an Martins Spitznamen "Fröschlein".Zum Thema Melaten Friedhof wäre noch viel zu erzählen. Für heute soll es aber genug sein.

Nach einer längeren Pause, die individuell gestaltet werden konnte, traf sich die Gruppe wieder um 17.15 Uhr am Kolumba  Museum zu einer 90-minütigen Führung durch die Jubiläumsausstellung zum Zehnjährigen. Vorher nutzten einige noch die Gelegenheit, die integrierte kleine Kapelle "Madonna in den Trümmern" zu besichtigen.  Sie erinnert an die im Zweiten Weltkrieg zerstörte romanische Kirche St. Kolumba und wurde von dem Architekten Gottfried Böhm erbaut.

Die Jubiläumsausstellung "Pas de deux" ist das Ergebnis einer Kooperation mit dem Römisch-Germanischem Museum in Köln, das wegen notwendiger Sanierungsarbeiten für ungefähr zwei Jahre geschlossen wurde. Acht Kuratoren (jeweils vier aus beiden Museen) arbeiteten zwei Jahre lang an dieser Ausstellung, die im September 2017 eröffnet wurde und ein Jahr laufen wird.

Diese Ausstellung fand größeren Zuspruch bei unseren heutigen Teilnehmern als die vorherige. Der Titel "Pas de deux" verweist auf das Klassische Ballett. Die Anspielung auf den Tanz soll das spielerische Moment im Hin und Her zwischen Antike, Mittelalter und Gegenwart sowie die Zusammenhänge durch die Konstanten kultureller Prägung beschreiben. Der Untertitel "Römisch-Germanisches Kolumba" steht für eine Zeitachse: Das RGM vertritt den Zeitraum bis zum Mittelalter, das Kolumba die Zeit vom Mittelalter bis ins Heute. Die ausgestellten Werke stammen aus der Zeit von ca. 5 Tausend vor Christus bis ins Jahr 2016.

Zum Museum selbst ist zu sagen: Es gehört dem Erzbistum Köln und befand sich bis 2007 in unmittelbarer Nähe zum Kölner Dom am Roncalliplatz. Nach den Plänen des Schweizer Architekten Peter Zumthur wurde ein Neubau errichtet (Grundsteinlegung 1. Oktober 2003. Die Einweihung erfolgt im September 2007 durch Kardinal Meisner.

Ein weiterer spannender Kulturausflug fand gegen 20.30 Uhr sein Ende.

Steffi Valentin

Freigegeben in Neues vom MKK

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