Kulturkreis Meerbusch

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Die Düsseldorfer Innenstadt befindet sich seit Jahren in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess. Alte Architektur wird zunehmend durch neue und moderne Ideen ergänzt oder auch ersetzt. Viele Informationen zu diesen schon vollzogenen und noch bevorstehenden Veränderungen des Stadtbildes konnten die zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des zweistündigen Rundganges von dem kompetenten und eloquenten Kunst-und Architekturhistoriker, Herrn Klaus Siepmann erfahren.

Nach dem Treffen am Dreischeibenhaus wurde die städtebauliche Entwicklung zwischen Kaufhof, Parkhotel, Opernhaus und Köbogen sehr facettenreich erläutert. Der alte und der neue Teil des Hofgarten, das angrenzende, gerade frisch renoviert Schauspielhaus und das Ingenhovental sowie der gerade umgestaltete Gustaf-Gründgens-Platz wurden ebenso bestaunt wie die schon in ihrer neuen Struktur erkennbare Schadowstrasse mit der Wehrhahnlinie.

An Hand zahlreicher historischer Aufnahmen erläuterte Herr Siepmann immer wieder sehr anschaulich die unterschiedliche Entwicklung der einzelnen Elemente über die letzten Jahrzehnte bis zur heutigen Gestaltung. Nach einem Besuch im Hofgarten und der neuen Wasserführung der Düssel endete die Runde wieder am Dreischeibenhaus. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass sie einen wirklich interessanten und abwechslungsreichen Einblick in die Entwicklungsgeschichte sowie der aktuell geplanten Neuerungen der Düsseldorfer Innenstadt vermittelt bekamen.

 Dr. Thomas Wolff

Freigegeben in Neues vom MKK

Im thematischen Mittelpunkt des Rundgangs „Bücher bauen Brücken“ stand das Buch als Vermittlerin. Eine coronabedingt kleine Gruppe von 15 Personen traf sich am 27. August auf dem Marktplatz am Eingang des Düsseldorfer Rathauses. Ute Pannes, die Stadtführerin, führte hier in das Thema Lesekultur und Lesekabinette des 18./19. Jahrhunderts ein. 

Am Burgplatz, der nächsten Station, gab es im 16. Jahrhundert sowohl eine Buchdruckerei als auch ein Gymnasium, die beide sehr erfolgreich arbeiteten, deshalb das Missfallen des Kölner Erzbistums erregten und bald dem Konkurrenzkampf der beiden Städte zum Opfer fielen. So musste z.B. der Prachtband, der die Hochzeit von Johann Wilhelm und Jacobe von Baden 1585 dokumentierte, in Köln gedruckt werden. Angesichts des Schlossturms, einem Überbleibsel des Düsseldorfer Schlosses, erinnerte Ute Pannes an die nebulösen Tatumstände des Ablebens der Markgräfin Jacobe von Baden am 3. September 1597. Diese passen gut zur Legendenbildung rund um die Markgräfin, die bis heute als „weiße Frau“ im Schlossturm herumspuken soll.
Jan Wellem und Anna Maria Luisa de Medici ließen eine dreiflügelige Galerie an das Schloss anbauen, in der eine berühmte Gemäldegalerie und Bibliothek untergebracht wurde.
Rund um die Kirche St. Lambertus befindet sich die ursprüngliche Keimzelle des Dorfes an der Düssel. Für den baulichen Grund, der zum Schiefen Turm von Düsseldorf geführt hat, gibt es unterschiedliche, auch „teuflische“ Erklärungen. Aber vermutlich wurde einfach zu frisches Holz benutzt.
Die Brückenfunktion des Buches zwischen den Bevölkerungsschichten wurde am Beispiel des Jesuiten Friedrich von Spee (1591 in Kaiserswerth geboren) und seines Lehrers Caspar Ulenberg erläutert, da sie geistliche Texte in deutscher Sprache verfassten. Das Stiftsgymnasium, 1545 gegründet, soll bis zu 2.000 Schüler gehabt und somit eine Brücke zwischen den Generationen hergestellt haben. Düsseldorf zählte damals ca. 6.000 Einwohner.
Im Innern der Kirche St. Lambertus betrachtete die Gruppe u.a. einen Altar der Bäcker- und Brauerzunft mit einem Bild der „Schmerzensmutter“ Maria. Im Altartisch wird Christus im Grab dargestellt. Damals brauten die Bäcker – in Hinblick auf den Geschmack nicht immer erfolgreich - auch das Bier.
Vorbei an dem früheren Theresienhospital, das heute wie das Andreasquartier Luxuswohnungen beherbergt, spazierte die Gruppe zum Mutter Ey-Denkmal von Bert Gerresheim. Johanna Ey förderte in ihrer Galerie nicht nur die Künstler des Jungen Rheinland, sondern auch den Dichter und Dramaturgen Herbert Eulenberg, der zusammen mit Louise Dumont und Gustav Lindemann am neuen Schauspielhaus Düsseldorf arbeitete.
Am Mutter-Ey-Platz wurde die Führung unterhaltsam durch die Begegnung mit einem zahmen Papageien unterbrochen.
Vor der Kunstsammlung NRW informierte Ute Pannes über den Namensgeber des Platzes, den Dramaturgen Christian Dietrich Grabbe, einem Dichter des Vormärz. Von 1834 bis 1836 arbeitete er mit Karl Immermann am Düsseldorfer Stadttheater. Zum einen überforderten aber seine ambitionierten Dramen das damalige Publikum und zum anderen führten seine Alkoholexzesse zum Zerwürfnis mit Immermann, so dass Grabbe in seine Geburtsstadt Detmold zurückkehrte, wo er jung verstarb.
Früher stand an dieser Stelle die Stadt-und Landesbibliothek mit einem von Peter Behrens (Architekt des Mannesmann-Hauses am Rheinufer) gestalteten Lesesaal, sie wurde nach dem 2. Weltkrieg nicht wieder aufgebaut.
Die erst am Tag zuvor vor der Kunsthalle wieder aufgestellte und gereinigte Skulptur Habakuk von Max Ernst stellt eine Collage aus verschieden großen Blumentöpfen, Schalen und Kieselsteinen dar.
Zwischen dem Kom(m)ödchen , dem ersten politischen Kabarett nach dem 2. Weltkrieg, und der Andreaskirche befindet sich der Kai- und Lore-Lorentz-Platz.
Der Bau der Andreaskirche, einer Hof- und Jesuitenkirche, wurde von Wolfgang Wilhelm aus dem Hause Pfalz-Neuburg 1620 in Auftrag gegeben und nach dem Vorbild der Neuburger Hofkirche gestaltet. Mit zahlreichen Heiligenfiguren im Innern ist sie ein typisches Beispiel für eine Kirche der Gegenreformation.
In seinem Roman „Die Blechtrommel“ hat Günter Grass das Lokal Zum Csikos (heute Los Chicos) an der Andreasstraße verewigt. Das Haus galt viele Jahre als Künstlertreffpunkt, und während seines Studiums an der Kunstakademie (1947 bis 1952) hat Günter Grass sich hier als Jazzmusiker erprobt.
Neben Heinrich Heine, dem wohl bedeutendsten Sohn der Stadt Düsseldorf, der 1797 im Hinterhaus des Hauses Nr. 53 auf der Bolkerstraße geboren wurde (mehr dazu bei unserer Veranstaltung „Mit Heine im Sinn durch Düsseldorf“) gehören die populären Schriftsteller Hans Müller-Schlösser und Heinrich Spoerl auch zur Düsseldorfer (Literatur-)Geschichte. Das bekannteste Bühnenstück des Regionaldichters Müller-Schlösser ist die Geschichte des „Schneider Wibbel“, die mehrfach verfilmt wurde. Gemeinsam mit Heinrich Spoerl, der durch den Roman „Die Feuerzangenbowle“ und dessen Verfilmung berühmt wurde, besuchte er das Königliche Gymnasium in Düsseldorf, wo sie zusammen an Schulaufführungen arbeiteten.
Beim Gang durch die Berger Straße wies Ute Pannes die Gruppe auf in das Pflaster eingelassenen Tafeln mit der Aufschrift „Geld ist rund und rollt weg. Bildung bleibt.“ hin. In diesem Sinne endete der Spaziergang am Karlsplatz zwar mit leeren Einkaufstaschen, aber mit neuen Eindrücken und Kenntnissen gefüllten Köpfen.

Christa Ahrens-Wilke

 

 

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