Kulturkreis Meerbusch

Es war ein typischer Tag im April: Bei der Abfahrt war der Himmel noch grau verhangen und kündigte nichts Gutes an. Und so wurde es auch dann: Ein richtiges "Schietwedder" mit teilweise heftigem Regen begleitete uns. Erst am Nachmittag zeigte sich dann endlich ein wenig Sonne und schon war die Stimmung unter den Teilnehmern direkt noch fröhlicher! Sonne ist eben doch Balsam für die Seele!

Diese Tagesbusfahrt haben wir das erste Mal nicht bei dem Busunternehmen BRINGS gebucht, sondern sind mit einem im Niederbergischen ansässigen Unternehmer mit dem passenden Namen "NEANDERTOURS" gefahren. Herr Herrmann, Gründer des Busunternehmens und sein eigener und einziger Fahrer, hat uns bewiesen, dass es sehr klug war, mit ihm zu fahren. Da wir gut in der Zeit waren, hat er uns noch eine Stadtrundfahrt durch Wülfrath geboten. Da schlug mein Herz höher, habe ich doch meine Kindheit und Jugend in dieser Stadt verbracht. Erinnerungen wurden wach!

Wülfrath - Geschichte & Zeittunnel

Die Erdgeschichte hat der Region Wülfrath einen Schatz hinterlassen: Massenkalke schon aus dem Devon (Zeitalter vor 416 bis 365 Millionen Jahre). Der Zeittunnel macht die Erdgeschichte von Devon bis zur heutigen Zeit oder vom Leben im devonischen Riff bis zur Kalksteinwand am Ende des Tunnels im Steinbruch Bochumer Bruch erlebbar. Durch den oberirdischen Abbau dieses Rohstoffs sind große Steinbrüche entstanden, die auf den Betrachter eigenartig faszinierend wirken. Einer davon - der Bruch Schlupkothen - ist heute ein großer See mit klarem Wasser und schroff aufragenden Wänden, an deren Rand man wandern kann. Der andere - der Bochumer Bruch - präsentiert sich wie eine mit dichtem Grün bewachsene steinerne Schüssel. 1950 wurde der Kalkabbau eingestellt. Dieser Bruch ist über einen langen ehemaligen Zufahrtstunnel erreichbar. Er wurde am 26. Juli 2003 im Rahmen der Euroga 2002plus eröffnet. Den 160 m langen Tunnel durchziehen wie an einem Band aufgereiht elf senkrechte Stahlbrammen auf elf Betonplattformen. Und da hinein komponiert wurde "Das Museum - Der Zeittunnel". Und dieses Museum faszinierte die Meerbuscher Gäste. Nur schade, dass die gebuchte Führerin kurzfristig krank geworden war und auch kein Ersatz mehr für sie gefunden werden konnte. Sie war zwar kurz gekommen, um der Gruppe noch im Vorraum Erklärungen zu geben, doch danach waren wir auf uns allein gestellt. Dank guter Beschreibungen, Videos, Grafiken und Bildern war es sehr anschaulich präsentiert, so dass wir doch viele faszinierende und teilweise unglaubliche und unvorstellbare Eindrücke mitnehmen konnten. Das alles aber bei Temperaturen, die richtig kalt waren! Wir waren seitens der Verwaltung gewarnt und dementsprechend gekleidet. Trotzdem nutzten noch die meisten von uns eine zur Verfügung gestellte große warme rote Decke. Sie sorgte für Lacher, aber machte sich prima auf den vielen Fotos! Siehe nachfolgende Bildergalerie!
Und schon ging die Fahrt weiter, weiter nach

Gruiten - Dorf: Mittags- und Kaffeepause

wo uns ein vor allem warmes, gemütliches, im niederbergischen Stil und unter Denkmalschutz stehendes Restaurant mit dem klangvollen Namen "Palazzo im Wiedenhof" empfing. Das Essen war vorbestellt, und da eine siebenköpfige sportliche Gruppe noch ein umfangreiches Programm zu bewältigen hatte, mussten wir in gut 1 ½ Stunden fertig sein. Alle anderen durften entspannt eine Runde mit unserem ortskundigen Bernd Herrmann durch das mittlerweile sonnige Dorf Gruiten spazieren gehen, um dann wieder Appetit zu haben, in dem bereits vor Wochen inspizierten "Café im Dorf" den köstlichsten Kuchen des Planeten zu probieren!

Aber was hatten unsere sportlichen "Glorreichen Sieben" noch vor? Ich lüfte noch ein Geheimnis: Vor einigen Wochen hatte eine kleine Gruppe "wander-erfahrener MKKler - wir waren übrigens nur fünf - den Wanderweg von Gruiten-Dorf zum Neandertal Museum erkundet. Bei sonnigem Wetter und angenehmen Temperaturen "spazierten" wir unter der erfahrenen Führung unseres Wanderexperten Martin die angeblich 6,5 km lange Route entlang. In Wirklichkeit waren es aber acht Kilometer, für die wir fast zwei Stunden gebraucht hatten. Aber wer hat denn gesagt, dass dieser "Ausflug" ein Training für den Düsseldorfer Marathon-Lauf werden würde? Die wunderschöne Natur mit dem frischen Frühlingsgrün der Bäume verdiente es, bewundert zu werden! Das braucht Zeit!

Aber das war vor einigen Wochen. Heute und genau jetzt fiel der Startschuss für die "Glorreichen Sieben", und in wenigen Augenblicken waren sie schon aus unserem Blickfeld hinter der nächsten Biegung im Wald verschwunden. Ziel war das Neandertal Museum. Würden sie es schaffen, rechtzeitig zur gebuchten Führung im Museum zu sein? Wir, die noch tüchtig Kalorien im gemütlichen Café aufnehmen durften, bevor uns Bernd Herrmann von Neandertours mit seinem Bus noch eine ausgiebige Sightseeing-Tour kredenzte. Das nennt man Timing: Ich hatte gerade die Eintrittskarten gekauft und unseren Guide begrüßt, da plötzlich kam eine Wandergruppe aus dem Wald auf uns zu. Es waren unsere "Glorreichen Sieben". Sie hatten ihr Ziel erreicht, wobei nicht alle noch so frisch und munter aussahen wie beim Start in Gruiten! Trotzdem gebührt Ihnen unsere volle Anerkennung! Eine kleine niederbergische Wandermedaille hätten sie schon verdient!

Neandertal Museum: Letztes Ziel des heutigen Tages.

Die Gruppe wurde ausgerüstet mit Headsets und dann ging die Führung unter dem Titel "Evolution in 60 Minuten" los. Das Neandertal-Museum bietet einen guten Einblick in die Geschichte des Homo Sapiens und seinen Vorfahren. Es ist ein "Multimediales Erlebnismuseum" zu vier Millionen Jahre Menschheitsgeschichte an der Fundstelle des berühmten Neanderthalers, in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Lage der "Kleinen Feldhofer Grotte", des Fundorts der Knochen des Neanderthalers von 1856. Durch Kalksteinabbau in diesem Gebiet wurde sie vernichtet und konnte erst wieder im August 1997 lokalisiert werden. Die Geschichte beginnt mit dem dortigen Neanderthalerfund und stellt uns weitere Ahnen vor. Als lebensgroße Rekonstruktionen begegnen sie uns in der Ausstellung: Die Neanderthaler. Wir erfuhren viel über ihre Lebensbedingungen, religiöse Vorstellungen, Werkzeuge und über ihre Art zu kommunizieren - ihre Sprache. Beim Rundgang durch die Ausstellung bekamen wir interessante Einblicke in die biologische und kulturelle Entwicklung der Menschheitsentwicklung.

Fazit: Es war ein abwechslungs- und lehrreicher, hoch interessanter Ausflug in unsere Nachbarschaft, den einige Teilnehmer gern mit ihren Enkelkindern wiederholen möchten. Am Schluss darf noch erwähnt werden, dass wir alle pünktlich zum Fernsehabendprogramm (Fußball für die Männer) wieder zuhause waren.

Steffi Valentin

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