Kulturkreis Meerbusch

Dienstag, 26. Juli 2022 23:31

Reisebericht: Potsdam und Berlin vom 12. – 17. Juni 2022

Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Was lange währt, wird endlich gut!
Diese Lebensweisheit trifft auf die jüngste Reise des MKK auf jeden Fall zu: Geplant war sie für den Juni 2020, erfolgreich durchgeführt wurde sie genau zwei Jahre später. Der Grund: natürlich Corona.

Am 12. Juni 22, einem strahlend schönen Sonntag, startete der Reisebus mit 38 erwartungsfrohen Gästen morgens um 7 Uhr Richtung Potsdam. Die Autobahn war frei, es ging zügig voran und mittags erreichte die Gruppe wie geplant Braunschweig, wo man sich bei einem Mittagessen für die anschließende historische Stadtbesichtigung stärken konnte.

Während der 90-minütigen Führung durch die „Löwen-Stadt“ (benannt nach dem Sachsenherzog Heinrich dem Löwen), lernten die Reisenden in aller Kürze die über 1000-jährige Geschichte von „Brunswieck“, der heute zweitgrößten Stadt Niedersachsens (250 000 Einwohner), sowie einige ihrer historischen Gebäude rund um den Dom und den Burgplatz kennen.

Da es sehr heiß war, wurde die Weiterreise im klimatisierten Bus als sehr erholsam empfunden und nach drei Stunden, die wie im Flug vergingen, erreichte der Bus das Reiseziel Potsdam.

Der Abend stand – an diesem wie auch den folgenden Tagen – zur freien Verfügung. Schnell fanden sich kleinere Gruppen, die die nähere Umgebung rund um das Hotel bei einem Spaziergang am Ufer der Havel erkundeten oder ihre Schritte in Richtung Holländisches Viertel lenkten, wo zahlreiche Restaurants ein leckeres Abendessen versprachen.

Der erste Tag in Potsdam (Mo, 13. Juni) begann mit der Besichtigung des Karl-Foerster-Gartens, einer Anlage, bei deren Anblick jedem Gartenfreund das Herz aufgeht. Auf 5000 m2 Fläche hat der Staudenzüchter und Gartenphilosoph (1874 bis 1970) ein wahres Paradies geschaffen. Er züchtete über 300 Staudenarten und kombinierte sie so mit Blumenzwiebeln, Gräsern und Gehölzen, dass es zu jeder Jahreszeit prächtig anzuschauende Bereiche im Garten gibt.

Vom Gartenparadies ging es per Bus zum Belvedere auf dem Pfingstberg.
Der Pfingstberg ist mit 76 m die höchste Erhebung Potsdams. Das Belvedere wurde unter Friedrich Wilhelm IV. (1840 – 1861 König von Preußen) errichtet und ist nur ein Teil eines ursprünglich wesentlich umfangreicheren Bauvorhabens, das den Namen „Schloss“ verdient hätte. Hat man den Aufstieg bewältigt, wird man mit einer grandiosen Aussicht auf Potsdam und Umgebung belohnt.

Nach dem Mittagessen begann der gemütliche Teil des Tages mit einer Schlösserfahrt auf der Havel.
Bei bestem Wetter zogen die am Wasser liegenden Sehenswürdigkeiten Potsdams an den MKK-Reisenden vorbei, Schlösser und Gärten, die heute zum UNESCO Welterbe gehören.

Der kommende Tag (Die, 14. Juni) begann mit einer ausführlichen Stadtrundfahrt unter dem Motto „Europa in Potsdam“. Die sachkundige Stadtführerin erläuterte in sehr interessanter Weise die verschiedenen Stadtteile und deren relevante Gebäude und zog immer wieder teilweise überraschende Querverbindungen zum Thema „Europa“. Die Tour führte durch die historische Innenstadt zur Glienicker Brücke, über die man Teile Potsdams erreichte, die im 19. Jh. entstanden sind und zu den „noblen Vororten“ zählen.

Sie endete am sicherlich berühmtesten Ort Potsdams, dem Schloss Sanssouci, das die MKK-Reisenden mit Hilfe eines Audio-Guides von innen erkunden konnten.
Dieses in nur zweijähriger Bauzeit (1745-47) entstandene „Lust-Haus“ Friedrichs des Großen (1712 – 1786) diente dem „Alten Fritz“ als Refugium in den Sommermonaten. Das Schloss ist kein repräsentativer Prachtbau, sondern hat mit seinen zwölf Räumen, von denen der Hausherr nur fünf selbst bewohnte, geradezu bescheidene Ausmaße. Hier komponierte, musizierte und philosophierte der preußische Monarch, wenn er nicht seinen Staatsgeschäften nachging; hier war sein bevorzugter Gesprächspartner, der frz. Philosoph Voltaire, ein gern gesehener und häufiger Gast, ganz im Gegensatz zu Friedrichs Ehefrau, die keinen Zutritt hatte.

Nach der Innenbesichtigung bestand die Gelegenheit, die Außenanlagen des Schlosses zu genießen: dazu gehörte unbedingt ein Gang über die Treppen der berühmten Weinbergterrassen hinunter in den prächtigen Park.

Der Nachmittag war dann dem zweiten Teil der Stadtrundfahrt gewidmet. Erste Station war das „Neue Palais“ Friedrichs des Großen, errichtet 1763 – 1769.
Ganz im Gegensatz zum bescheidenen Schloss Sanssouci sollte dieser prächtige und kostspielige Bau nach dem Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) Preußens neue Rolle unter den Mächtigen Europas verkünden. Die auf Friedrich bezogene Inschrift „Nec soli cedit“ („Selbst der Sonne weicht er nicht“) lässt auf die Absicht des Bauherrn schließen, sich mit diesem Gebäude ein Denkmal als siegreicher Feldherr zu setzen. Friedrich selbst nannte die dreiflügelige Anlage mit einer Frontlänge von 220 Metern eine „Fanfaronade“ (Prahlerei, Angeberei).

Per Bus ging es dann zur russischen Kolonie Alexandrowka – wahrhaft ein Kontrastprogramm.
König Friedrich Wilhelm III. (1770 – 1840) ließ die Kolonie in den Jahren 1826/27 für die letzten zwölf Sänger eines ehemals aus 62 russischen Soldaten bestehenden Chores anlegen. Diese 62 Männer waren Kriegsgefangene, die es nach Potsdam verschlagen hatte. Zar Alexander I. erlaubte den Verbleib des Soldatenchors in Preußen und Friedrich Wilhelm III. ließ die Kolonie als „Denkmal der Erinnerung“ an die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Häusern Hohenzollern und Romanow gründen und nach Zar Alexander I. benennen.

Eine weitere Station an diesem ereignisreichen Tag war Cecilienhof, erbaut in den Jahren 1913–1917. Dieser letzte Schlossbau der Hohenzollern wurde unter Wilhelm II. (Deutscher Kaiser von 1888 – 1918) für seinen Sohn Kronprinz Wilhelm und dessen Gemahlin Cecilie errichtet.

Weltgeschichtlich bekannt wurde Cecilienhof als Ort der Potsdamer Konferenz, der letzten Konferenz der Alliierten während des Zweiten Weltkriegs, die vom 17. Juli bis 2. August 1945 stattfand und bei der die Regierungschefs der drei Hauptalliierten (USA, Sowjetunion, GB) nach dem Ende der Kampfhandlungen in Europa das weitere Vorgehen berieten.

Es folgte ein kurzer Spaziergang durch den umgebenden Park, von wo aus man auch einen Blick auf die angrenzenden Villen von Wolfgang Joop und Günter Jauch werfen konnte.

Nun bestieg man zum letzten Mal für heute den Bus, der die Reisegruppe zum Holländischen Viertel brachte.
Friedrich Wilhelm I. (1688 – 1740), als „Soldatenkönig“ bekannt, brauchte zum Ausbau der damaligen Garnisonstadt Potsdam dringend gut ausgebildete Handwerker. Bei den holländischen Nachbarn wurde er fündig und weil diese sich in Potsdam wie zu Hause fühlen sollten, ließ er zwischen 1733 und 1742 ein Stadtviertel mit 134 typisch holländischen Häusern bauen. Es kamen viele der begehrten Handwerker, aber durchaus nicht so viele wie gewünscht.
Heute ist das Viertel mit seiner Mischung von Wohnraum, kleinen Läden, Galerien, Werkstätten, Kneipen, Restaurants und Cafés bei Einwohnern und Touristen gleichermaßen beliebt.

Der dritte Tag in Potsdam (Mittwoch, 15. Juni) begann mit einem Besuch des berühmten Museums Barberini. Seit September 2020 beherbergt das Museum die „Sammlung Hasso Plattner“, die aus insgesamt 107 Arbeiten aus der Zeit des französischen Impressionismus besteht. Darunter befinden sich allein 38 Werke von Claude Monet. Weitere in der Sammlung vertretene Künstler sind u.a. Pierre-Auguste Renoir, https://de.wikipedia.org/wiki/Henri_Edmond_CrossPaul Signac, Alfred Sisley und Maurice de Vlaminck.

Nach so viel Kultur ging es mit dem Bus hinaus in die Natur, in den wunderschönen Stadtteil Berlin-Wannsee, wo man nach einem kurzen Spaziergang Villa Liebermann erreichte, das Haus, das der erfolgreiche Maler Max Liebermann (1847 – 1935) im Jahr 1910 mit seiner Familie bezog.
Um der Hektik der Großstadt Berlin entfliehen zu können, hatte er schon 1909 das 7260 m² große, schmale Wassergrundstück am Wannsee erworben. Dort ließ er sich nach Vorbildern Hamburger Patriziervillen einen Landsitz errichten, den er sein „Schloss am See“ nannte. Hier verbrachte Liebermann in den folgenden 25 Jahren die Sommermonate
Wer diesen Ort heute besucht, möchte ihn eigentlich gar nicht mehr verlassen. Das liegt nicht zuletzt an dem großen, zum See hin gestreckten Garten, der nach den Ideen des „Gartenreformers“ Alfred Lichtwark gestaltet ist. Besonders hervorzuheben ist der unverstellte Blick auf den Wannsee von der Gartenterrasse aus. Bei Kaffee und Kuchen konnte man diesen Blick nach der Führung durch Haus und Garten ausgiebig genießen. Wunderbar!

Am vorletzten Tag der Reise (Do, 16. Juni) stand ein Abstecher in die Hauptstadt mit dem Besuch des Humboldt Forums auf dem Programm. Dieses mittlerweile europaweit bekannte Gebäude wurde auf dem Schlossplatz errichtet, benannt nach dem Berliner Stadtschloss, dessen Überreste 1950 gesprengt worden waren.

Dieser Schlossplatz war ursprünglich eine sumpfige Wiese, danach Stadtviertel, Kloster, Schloss, Aufmarschplatz für Großdemonstrationen. Hier stand von 1976 bis 2008 der Palast der Republik.
Ab 2008 fanden archäologische Grabungen auf dem Gelände statt, ein Teil der Fläche wurde wieder zur Wiese. In den folgenden Jahren entschloss man sich zum Neubau, schrieb einen Wettbewerb aus, den der Architekt Franco Stella gewann, 2013 wurde der Grundstein gelegt und 2020 war das Humboldt Forum fertig, das aufgrund der Corona-Pandemie am 16. 12 2020 digital eröffnet wurde und seit dem 20. Juli 2021 auch tatsächlich besucht werden kann.

Das Gebäude besticht u.a. durch seine Fassadengestaltung: Nähert man sich von Norden, Süden oder Westen, so glaubt man, das alte Stadtschloss, das „Hauptwerk des norddeutschen Barock“, im Original vor sich zu haben. Dass dem nicht so ist, macht die moderne Ostfassade klar, die durch ihre Schnörkellosigkeit und Glätte einen extremen Kontrast zu den anderen Fassaden bildet.

Dieser Ort, dessen offizieller Name „Humboldt Forum im Berliner Schloss“ lautet, ist „ein Ort für Kultur und Wissenschaft, für Austausch und Debatten.“ Das Gebäude soll in Erinnerung an das geistige Erbe Alexander und Wilhelm von Humboldts mehrere museale Sammlungen aus aller Welt – u. a. der Dahlemer Museen – zusammenführen, Veranstaltungsräume für Wissenschaft und Kultur bieten, die Museumsinsel ergänzen, über die Schlossgeschichte informieren und zugleich der Wiederherstellung eines Hauptbezugspunktes der deutschen Geschichte und des historischen Stadtbildes von Berlin-Mitte dienen.
Kostenpunkt: ca. 677 Mio Euro. Darin enthalten sind 105 Mio Euro für die barocken Fassaden.

Das Mittagessen im Alt-Berliner Gasthaus „Julchen Hoppe“ brachte die nötige Stärkung nach so viel beeindruckender Architektur.
Da der Nachmittag nicht verplant war, nutzen die MKKler die Zeit ganz unterschiedlich: Wer noch laufen wollte, spazierte unter den Linden bis zum Brandenburger Tor und krönte den Ausflug mit einem Besuch im Hotel Adlon. Die etwas Bequemeren ließen sich per Schiff auf der Spree transportieren und lernten noch ganz andere Orte dieser großartigen Stadt kennen.

Am Freitag, 17. Juni, ging es – leider – schon wieder nach Hause. Doch auch die Heimreise wurde durch eine Stadtbesichtigung angenehm unterbrochen: diesmal lernten die Reisenden Magdeburg, die Hauptstadt des Landes Sachsen-Anhalt, und besonders das Stadtviertel um den Dom herum kennen.

Wer bisher glaubte, der Name Magdeburg meine eine Burg voller Mägde, der irrt, obwohl eine junge Frau (= Magd?) das Stadtwappen ziert. Die bereits 805 auftauchende Bezeichnung ad Magadoburg oder Magathaburg meint höchstwahrscheinlich „mächtige Burg“. Immerhin war die Stadt unter Otto I. (ab 963 röm.-dt. Kaiser) Kaiserpfalz und Erzbistum und im Mittelalter ein bedeutender Handelsort und Knotenpunkt wichtiger Fernverbindungen.

Der Magdeburger Dom ist das Wahrzeichen der Stadt. Er ist die erste von Anfang an gotisch konzipierte Kathedrale der Gotik auf deutschem Boden, erbaut von 1209 bis 1520. Zu seinen Kunstschätzen gehören antike Säulen aus Porphyr, Marmor und Granit, die Kanzel aus Alabaster, ein großes Taufbecken und die zehn Skulpturen der klugen und törichten Jungfrauen, deren „drastische Direktheit“ immer wieder Erstaunen erregt. Weitere Kostbarkeiten des Domes sind das Grab des Kaisers Otto I. und – seit 2008 – die größte Orgel Sachsen-Anhalts.

Kurz in Augenschein genommen wurde auch das Kloster Unser Lieben Frauen (kein Rechtschreibfehler, so heißt es wirklich!) mit dem witzigen Türgriff an der Eingangspforte. Dann spazierte man zur Bastion Cleve, Teil der mittelalterlichen Befestigungsanlagen und unmittelbar hinter dem Dom gelegen. Hier kann man einen mittelalterlichen Wehrturm, einen Geschützgang von 1530/40 und ein Pulvermagazin ganz aus der Nähe betrachten. Mit diesen Wehranlagen konnte die Stadt 1550/51 einer längeren Belagerung durch kaiserliche Truppen erfolgreich standhalten.

Zum Abschluss der Magdeburg-Führung spazierte die MKK-Gruppe zur Grünen Zitadelle, nicht zu verwechseln mit der echten alten Zitadelle, die sich auf einer Insel mitten in der Elbe befand. Die Grüne Zitadelle ist ein von Friedensreich Hundertwasser (bürgerlich: Friedrich Stowasser, 1928 – 2000) entworfener Gebäudekomplex, nach seinen Worten „eine Oase für Menschlichkeit und für die Natur in einem Meer von rationellen Häusern“.

In diesem 2005 fertiggestellten Projekt sind alle architektonischen Anliegen Hundertwassers perfekt miteinander verschmolzen. So finden sich weithin leuchtende goldene Kugeln auf den Türmen, schauen "Baummieter" (= echte Bäume!) aus "tanzenden Fenstern", duften Blumenwiesen auf den Dächern und Rampen und tragen wellenförmige Böden als "Melodien für die Füße" die Besucher beschwingt durch die Innenhöfe.
Der anfangs durchaus umstrittene Bau ist heute ein Anziehungspunkt nicht nur für Touristen. Hier leben Menschen in 55 Wohnungen, hier gibt es attraktive Ladenlokale und Eventräume, ein Hotel, ein Theater, Büros, Arztpraxen und einen Kindergarten, der „FriedensReich“ heißt.

Das letzte gemeinsame Mittagessen auf dieser ereignisreichen Reise wurde im nahe gelegenen Restaurant Dom-König eingenommen. Dann hieß es, Abschied zu nehmen von Magdeburg, den Bus zu besteigen und sich ein letztes Mal dem hervorragenden Busfahrer anzuvertrauen, der alle MKKler gut nach Hause brachte.

Gisela Saßmannshausen

Gelesen 50 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 15. September 2022 00:33

Schreibe einen Kommentar

50 Jahre Meerbusch

Newsletter

Mit dem kostenlosen NEWSLETTER des Meerbuscher Kulturkreises bleiben Sie immer auf dem Laufenden!
captcha 

Kalender

« Oktober 2022 »
Mo Di Mi Do Fr Sa So
          1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30
31            

Finde uns auf Facebook