Kulturkreis Meerbusch

Donnerstag, 20 August 2015 00:17

90 Jahre und kein bisschen leise - Editha Hackspiel als Ehrengast beim MKK Kulturstammtisch

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Editha Hackspiel: Gerade haben wir sie anlässlich ihres  90. Geburtstages geehrt, hatten wir heute das große Glück, sie als Ehrengast zu unserem 3. Stammtisch nach Büderich ins Groteburg's Börker Brauhaus einzuladen. Man merkte ihr an, dass sie selbst riesigen Spaß hatte, über ihr Leben und vor allem über ihre kreative Entwicklung von der Studentin an der Düsseldorfer Kunstakademie bis zur erfolgreichen Künstlerin. Voller Elan, mit lustigen Augen und immer einem verschmitzten Lächeln um die Mundwinkel ging sie auf die von Heribert Schween als Moderator gestellten Fragen ein, erzählte vom ersten Urlaub auf Mallorca, den ihr ihr Ehemann Wolfgang geschenkt hatte, damit sie dort nach langer Familienpause endlich ganz allein und in Ruhe malen konnte. Sie erzählte, wie sie danach dank der Unterstützung durch ihren Ehemann begonnen hatte, mit teilweise selbst gebastelten Arbeitsutensilien die ersten Radierungen zu fertigen.  

 

Meerbuscher Künstlerin Editha Hackspiel begeistert beim MKK-Kulturstammtisch mit Anekdoten aus ihrem Leben. In dem Video...

Posted by MKK Meerbuscher Kulturkreis e.V. on Mittwoch, 19. August 2015

Am Anfang besaßen sie noch keine Druckpresse. Aber sie wussten, dass die Realschule in ihrer Nähe einen hatte. Also marschierten sie mit ihren ersten Werken immer dort hin und so konnte sie irgendwann voller Stolz ihre allerersten Radierungen präsentieren. Sie tastete sich nach den ersten kleinen  Erfolgen immer weiter nach vorn, vertiefte sich schrittweise immer mehr in die hohe Kunst der Radierungen, wurde immer mutiger und auch perfekter, und schon recht bald stellten sich die ersten Erfolge ein. Doch bis zum großen Durchbruch dauerte es dann aber noch einige Jahre.

Nach dem Umzug nach Meerbusch malte sie Meerbuscher Ansichten in schwarz-weiß, es folgten Düsseldorfer Motive. Der nächste Schritt war dann, dass sie sich ans Kolorieren ihrer Bilder wagte und irgendwann kam sie auf die  gute Idee, dass eine Stadtansicht mit "Männekes", also mit Menschen noch viel interessanter sei. So entstanden dann Ansichten mit Schützenzügen, mit Martinszügen, mit spielenden Kindern. Doch nicht immer waren die Bilder ganz richtig: So sagte ihr mal ein Betrachter, dass das Bild falsch dargestellt sei, denn durch diese Straße ging gar kein Schützenzug. Oder ein anderes Mal beschwerte sich ein Schütze darüber, dass die "Matrosen nie vor den Sappeuren im Zug gingen!" Das hat sie aber locker weg gesteckt!

So wuchs die Sammlung der Bilder stetig, so dass die ersten  Bücher über Meerbuscher und Düsseldorfer Ansichten erschienen. Der nächste Schritt war, Kinder zu malen. Dies empfand sie als  sehr schwierig, weil Kinder nicht still sitzen können. Dann kam ihr die Idee, musizierende Kinder zu malen. Von diesem Plan überzeugte sie dann auch Ingrid Kuntze, die damalige Leiterin der Meerbuscher Musikschule. Denn musizierende Kinder zappeln nicht herum. Fortan malte sie in der Meerbuscher Musikschule.

In ihrem Elternhaus wurde Musik praktiziert, schon der Großvater und Urgroßvater waren mit der Musik beruflich verhaftet, nur sie wehrte sich mit Erfolg gegen das Spielen eines Instrumentes. Sie wollte immer nur malen! Im Verlauf ihrer Karriere fand sie dann auch Zutritt zu Konzerten in Benrath, später durfte sie zu den Proben in der Oper malen, und als dann die Tonhalle eröffnet wurde, war sie dort ständiger Gast bei den Generalproben. Aus dieser langen Schaffenszeit von 1947 bis 2009 entstand im Jahr 2010 das Buch "Die Düsseldorfer Symphoniker - Aus Liebe zur Musik", beobachtet und gezeichnet von Editha Hackspiel.

Bis zu 20 Probedrucke und ca. 2 Wochen dauert es bis ein Werk wirklich fertig ist. Die limitierte Auflage ihrer Radierungen beträgt in der Regel maximal 300 Stück. Die Kolorierung ist dann jedoch immer ein Unikat. "Ich habe in der Regel immer zwei Kolorierungen vorrätig, so dass ein Interessent auswählen kann."

"Die meisten Radierungen wurden von Japanern gekauft", Editha Hackspiel erzählt mit Humor von Japanern, die in ihrem Wohnzimmer saßen und sich sehr sehr viel Zeit gelassen haben, ihren Katalog durchzuschauen. Diese Zeit hat sie dann genutzt, um im Hintergrund zu sitzen und ihre Werke zu kolorieren. "Ich habe immer genug zu tun", schmunzelt sie. Das neueste und letzte Bild von ihr zeigt das Riesenrad in der Altstadt, eine kolorierte Radierung.

Doch nicht nur Radierungen bestimmen das Leben von Editha Hackspiel. Die Arbeit im Meerbuscher Kulturkreis und Meerbuscher Rat und viele Kunstprojekte begleiteten ihr Leben. So engagierte sie sich in ganz besonderem Maße für die vielen Brunnen in Meerbusch und konnte zu jedem Brunnen eine Anekdote berichten.

Aber Frau Hackspiel lebt nicht nur in der Vergangenheit. Sie setzt sich auch mit Gegenwart und den Veränderungen in der Kunstszene auseinander. "Wir mussten früher nur gut abmalen können" erzählt sie. Heutzutag weiß sie, dass von den Studenten der Kunstakademie verlangt wird, "immer etwas absolut Neues" zu erschaffen. Sie sagt dies voller Respekt vor der Jugend und gewinnt damit noch mehr Sympathiepunkte von ihreren Zuhörern.

Ihr Kommilitone Joseph Beuys hatte dies damals schon verstanden und wurde damit international berühmt. Als sie dies erzählt, schwingt leichte Wehmut in ihrer Stimme mit.

Aber es gibt noch viel zu tun. Damit sie noch viele weitere gute Ideen umsetzen und ihre vielen Pläne noch verwirklichen kann, hält sie sich fit durchs Schwimmen. Drei Mal wöchentlich geht sie ins Büdericher Schwimmbad und zieht dort immer jeweils 20 Minuten ihre Bahnen, - im Stil "Rückenschwimmen". "Das ist gut für die Halswirbelsäule. Deshalb bin ich auch noch in so guter körperlicher Verfassung", glaubt Editha Hackspiel. Die reiselustige Neunzigjährige plant übrigens auch bereits ihren nächsten Urlaub: eine Busreise nach Irland.

Mehr als eine Stunde erzählt Editha Hackspiel lebendig, fröhlich und voller Selbstironie von ihrem Leben - und die mehr als 30 Gäste des Meerbuscher Kulturstammtisches hängen gebannt an ihren Lippen und können nicht genug bekommen.

Weiterhin wünschen wir Editha Hackspiel viel Lebensfreude, viel Elan und Enthusiasmus, vor allem ganz viel Gesundheit!

Der MKK-Stammtisch endete mit einem Bericht über die nächsten Events durch den Vorstand.

Steffi Valentin und Monika Zehmisch

Gelesen 2132 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 20 August 2015 09:24

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