Kulturkreis Meerbusch

Sonntag, 27 Mai 2018 18:05

Führung durch Derendorf mit Maja Tönnesmann

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Dass der Stadtteil Derendorf sein Gesicht verändert hat, erlebte eine 20-köpfige Gruppe am Mittwoch, dem 16. Mai, während einer interessanten, amüsanten und lebendigen Führung durch Maja Tönnesmann.

Zunächst bestaunten wir die großzügigen städtebaulichen Anlagen an der Toulouser Allee. Ein Riegel hoher Bürohäuser schützt die dahinterliegende Wohnbebauung vor dem Lärm der Straße und des Zugverkehrs. Edel wirken die Wohnhäuser mit begrünten Innenhöfen und bieten wegen der recht hohen Preise Wohnraum für eher gut verdienende Doppelverdiener. Deshalb ist der breite Grünstreifen mit Kindergarten, Spielplatz und eingezäunter Hundewiese an diesem Vormittag auch ziemlich ruhig.

Nachdenklich stimmten uns während des Spaziergangs verschiedene Gedenkplätze für Opfer des Holocaust, die wir aufsuchten. Zum Beispiel ein Stück Schienen im Gleisbett mit Hinweisen auf Vernichtungslager, die Ziel der dort abfahrenden Züge während des Zweiten Weltkrieges waren.

Ein erstes Highlight war das im April 2017 eröffnete und von der New York Times 2017 als der imposantesten Gebäude der Welt prämierte Gebäude der FOM, der Hochschule für Berufstätige. Es wirkt futuristisch, mit heller Fassade, in die organisch und asymmetrisch große Fensterflächen geschnitten sind.

Daneben findet man, zum Entzücken unserer Stadtführerin, eine Wildblumenwiese und blickt über die Gleise hinüber zur Buscher Mühle, einem Relikt aus der Zeit, als Derendorf noch ein Dorf war.

Das Gebäude der Hochschule Düsseldorf an der Münsterstraße stellt architektonisch in seiner nüchternen Klarheit einen deutlichen Kontrast zu der FOM dar.

Hier wimmelte es von jungen Menschen, denn die HSD wird von ca. 10.000 Studierenden besucht, so dass Dr. Joachim Schröder, Kurator des Erinnerungsortes Alter Schlachthof der Hochschule Düsseldorf, uns schnell ausfindig machte, um uns über die erschreckende Bedeutung des ehemaligen Schlachthofes Düsseldorf als Sammelstelle der Deportationen aufzuklären. Fast 6.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder mussten sich hier zwischen Oktober 1941 und September 1944 zu insgesamt sieben Deportationen einfinden.

Heute fungiert die frühere Großviehhalle als Bibliothek der Hochschule, in deren Innerem zwischen den Arbeitstischen der Studenten Futtertröge daran erinnern, dass die in der Nacht stundenlang wartenden Juden diese als Ablagen für Kleinkinder und Säuglinge nutzten, damit sie nicht auf dem kalten Steinboden liegen mussten.

Während des Mittagsessens genossen wir den Trubel in der Mensa.

Nach einer kurzen Busfahrt erreichten wir die Unternehmerstadt an der Rheinmetallallee und setzten dort unseren Derendorf-Spaziergang fort. Die Unternehmerstadt ist ein Projekt der Rheinmetall, in dem Leben und Arbeiten eine Symbiose eingehen sollen und so den Trend, Familie und Karriere in einem städtischen Umfeld harmonisch zu vereinen, verkörpert.

Die Unternehmerstadt avancierte in den letzten Jahren mit der Fertigstellung eines Lighthouses zu einem der wichtigsten Modestandorte Düsseldorfs mit derzeit 90 Showrooms.

Anschließend ließen wir uns von der Umgestaltung der Ulanenkaserne beeindrucken. Das 10 ha große Areal der wilhelminischen Kasernen, teilweise mit denkmalsgeschützten Gebäuden, wurde saniert und in Wohnraum umgewandelt.

So bewunderten wir zum Beispiel das für uns uneinsehbare, aber sicherlich sehr stylische Domizil des früheren Fußballstars Christoph Metzelder. Seinem Nachbarn, einem schicken Lakritzladen, statteten wir zur Verkostung und zum Einkauf einen kurzen Besuch ab.

Die Neubauten Clara und Robert bilden ein einzigartiges Emsemble zusammen mit denkmalgeschützten Gebäuden und altem Baumbestand. Die Namensfindung der Häuser wurde durch die historischen Spuren von Clara und Robert Schumann in Düsseldorf inspiriert. In der Gestaltung der Gebäudefassade wurde die Klaviatur eines Konzertflügels aufgegriffen.

Am Platz der Ideen, dem früheren Exerzierplatz, residiert u. a. die Hauptverwaltung der Werbeagentur Grey in einem umgebauten Gebäude und befindet sich die Fresenius Hochschule.

Unser Spaziergang endete an dem Verkehrsknotenpunkt vor dem Nordfriedhof mit der Betrachtung der in Torso und Kopf getrennten Kolossalfigur Kouros, die der Düsseldorfer Künstler Stefan Demary 1998 geschaffen hat und die Siemens 2015 der Stadt schenkte. Der Original-Torso der mehr als 2500 Jahre alten Figur wurde 1980 auf der Insel Samos gefunden, der dazu gehörige Kopf vier Jahre später zig Meter davon entfernt. Stefan Demary ließ sich hiervon inspirieren.

Mit vielen neuen Eindrücken und dem festen Vorsatz, diesen Spaziergang demnächst zu wiederholen, traten wir zufrieden den Heimweg nach Meerbusch an.

Mein Dank gilt unserer großartigen Stadtführerin Maja Tönnesmann, die den Tag perfekt vorbereitet hat.

Christa Ahrens-Wilke

 

Gelesen 254 mal Letzte Änderung am Sonntag, 27 Mai 2018 21:34

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