Kulturkreis Meerbusch

BENEFIZ KONZERT für JASMIN-HILFE e.V.  mit dem Damaskus Strring Quintett

Freitag, 17. November 2017 um 19.30 Uhr
im Forum Wasserturm, Rheinstr. 10, 40668 Meerbusch Lank-Latum

unter der Schirmherrschaft von Oliver Keymis, Vizepräsident des Landtages NRW

Der syrische Kontrabassist Raed Jazbeh wollte sich nach seiner Flucht 2013 nach Deutschland nicht einfach hier nur untätig aufhalten, er suchte über die sozialen Netzwerke und begann darüber die jetzigen Kollegen des syrischen Nationalorchesters, die ebenfalls nach Europa geflüchtet waren, zusammen zu führen. Er initiierte das Syrian Expat Philharmonic Orchestra (SEPO), welches sich einen Namen machte und erfolgreich in Deutschland und im Ausland konteriert. Aus SEPO rekrutierten sich zwei Kammermusikensembles. Eines davon ist das Damaskus String Quintett, das auf Einladung des Meerbuscher Kulturkreises und der "Jasmin-Hilfe e.V." nach Meerbusch kommt. Beim Benefizkonzert im Forum Wasserturm am Freitag, 17. November spielt das Quintett Werke aus Deutschland und Syrien. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Der Eintritt ist frei, für Spenden sind wir sehr dankbar.

Alle Spenden gehen über den Verein Jasmin-Hilfe e.V. direkt in die Flüchtlingslager in der Bekaa-Ebene im Libanon zur Hilfe „vor Ort“.

Veranstalter: Meerbuscher Kulturkreis e.V. in Zusammenarbeit mit der Stadt Meerbusch, dem Rotary Club Meerbusch, evangelische Kirchengemeinden Osterath und Lank/Strümp  sowie anderen Gleichgesinnten.

Jasmin-Hilfe e.V.
c/o Marlene Abbara
Internet: https://www.jasminhilfe.com/
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Freigegeben in Neues vom MKK

Ich muss zugeben: nach 1 ½ Stunden haben mir die Ohren gequalmt und der Kopf geraucht. Denn Oliver Keymis hatte unfassbar viel Spannendes zu erzählen, am 22.11.2016 beim 6. MKK Kulturstammtisch im Haus Baumeister in Lank-Latum.

Der Landtagsabgeordnete für Bündnis 90/Die Grünen in Nordrhein-Westfalen sowie Vizepräsident des Landtages Nordrhein-Westfalen war nicht nur als Politiker zu Gast, sondern vor allem als Meerbuscher Bürger. Und in dieser Doppelfunktion hat sich Oliver Keymis der Kultur verschrieben und kümmert sich um Themen, die uns so sehr am Herzen liegen, in Meerbusch, Düsseldorf und Nordrhein-Westfalen.

Geboren 1960, verlebte Oliver Keymis seine Kindheit in Osterath und wohnt seit vielen Jahren in Lank-Latum. Besonders symphatisch: „An Sankt Martin gingen wir als Kinder in ganz Osterath gripschen. Ein Brauch, der aus Düsseldorf stammt. Doch nach Bovert gingen wir am liebsten, denn da gab es am meisten.“ Mit diesem Brauchtum kam Oliver Keymis der Kultur näher.

Doch so richtig „angefixt“ wurde er mit 11 Jahren, durch den Besuch von Goethes „Faust“ im Theater, auf Veranlassung seines Vaters. So sehr, dass er selber zu schauspielern anfängt. Durch Verbindungen gelingt ihm, eine Ausnahmegenehmigung zu erlangen, um ein Stück von Samuel Beckett im Meerbusch-Gymnasium aufführen zu dürfen.

Geschenkt ist noch zu teuer- Oliver Keymis setzt sich politisch und kulturell in Meerbusch mit seinen Ideen durch

Nach Abitur und Studium folgten zwei Jahre als Regieassistent im Düsseldorfer Schauspielhaus sowie einer Tätigkeit als Regieassistent und Bildregisseur beim WDR. Neben seinem Engagement am Theater, beschäftigten Oliver Keymis früh Themen in Meerbusch, wie beispielsweise die A44 Flughafenbrücke und Haus Meer. Er brachte sich engagiert im Kultur- und Planungsausschuss der Stadt Meerbusch ein.

Auch die Idee für das Theater am Wasserturm stammt von Oliver Keymis. Noch heute gibt es das 18seitige Konzept. „Geschenkt ist noch zu teuer“ hieß es damals, doch die Idee erhielt nicht nur eine Mehrheit im Rat, sondern konnte genauso realisiert werden, wie es Oliver Keymis damals im Kopf rumschwebte. „Dienstagabends ist Filmabend.“ Sogar diese Vision wurde Wirklichkeit bis heute, und unser schönes Theater am Wasserturm ist nicht nur in Meerbusch eine feste Institution, sondern weit über die Grenzen der Stadt bekannt und beliebt. Sogar Künstler, wie die Kabarettisten Beikircher und Hüsch, sind der Meinung: „Dies ist das schönste Theater, denn hier sind wir besonders nah an den Menschen.“

Der macht doch was mit Kultur und Medien – erste Zeit bei den Grünen

Zu „den Grünen“ kam Oliver Keymis erst 1997, also relativ spät. „Der macht doch was mit Kultur und Medien. So einen Experten können wir gebrauchen.“ Von seinen Parteikollegen erhielt Quereinsteiger Oliver Keymis viel Vertrauen. Im Jahr 2000 erhalten Bündnis 90/Die Grünen eine Mehrheit von 7,3 %. Platz 16 und 17 der Liste werden zusätzlich gezogen und so gelingt Oliver Keymis der Sprung in den Landtag. Neben Kultur und Medien musste Oliver Keymis aber auch etwas „Anständiges“ machen, und so wird er verkehrspolitischer Sprecher. Ein Amt, das er 2006 abgeben musste, als er das Angebot zum Vizepräsident erhielt. „Drei Tage habe ich überlegt, aber mir wurde klar: So ein Angebot erhält man nur einmal im Leben.“, erinnert sich Keymis.

In dieser Position zieht Oliver Keymis nun die Fäden und ist in viele politische und kulturelle Themen involviert. Zusätzlich hat er noch viele weitere Ämter inne, beispielsweise als Mitglied des Rundfunkrats des WDR.

In NRW leben 18 Millionen Menschen. Es gibt keine vergleichbare Region, die so viel Kultur hat wie NRW

200 Millionen Euro beträgt derzeit „sein“ Kulturförderetat. Das ist so hoch wie nie, aber Oliver Keymis würde diesen Etat am liebsten noch verdoppeln. In guten Zeiten konnte eine Aufstockung des Kulturetats erreicht werden: 5 Jahre lang wurde der Etat um 20 % erhöht, so das er verdoppelt werden konnte. Er erzählte aber auch von „katastrophalen Fehlern“, als 2012 die Rot-/Grün-Koalition eine Etatkürzung in Höhe von 14 Millionen (von 196 Millionen Euro auf 182 Millionen Euro) beschloss. Insbesondere bekümmert es ihn, dass der Denkmaletat nicht zum Kulturetat gehört und auf viel zu wenig Interesse stößt und dort auch kaum Geld zur Verfügung steht.

Viele kulturelle Ideen konnten in den letzten Jahren erreicht werden, beispielsweise der Kultur-Rucksack, ein Programm mit dem politische Bildung für 10-14 Jährige initiiert werden soll. Oder das Programm Jeki, welches nun Jekits heißt (Jedes Kind singt, tanzt und spielt). Bereits 750 Grundschulen sind eingebunden. Ein Programm, über das sich besonders Ingrid Kuntze, als ehemalige Leiterin der städtischen Musikschule Meerbusch freut.

Haus Meer – Zeitwende durch Besitzwechsel

Natürlich hatten die anwesenden Gäste viele Fragen an Oliver Keymis. Insbesondere war die aktuelle Situation von Haus Meer ein wichtiges Thema. Hier machte uns Oliver Keymis Hoffnung: der neue Eigentümer von Haus Meer, der Unternehmer Peter Soliman, ist sich seiner Verantwortung und besonderen Bedeutung von Haus Meer bewusst. Eine verantwortungsvolle Gestaltung des Areals und Öffnung für Meerbuscher Bürger ist in greifbarer Nähe. Hier rät Oliver Keymis den Verantwortlichen der Stadt, diese Chance zu nutzen. Wenn es gelingt, mit einem sinnvollen Konzept und Einigkeit zwischen Eigentümer, der Stadt Meerbusch und allen beteiligten Institutionen an die Öffentlichkeit zu treten, sieht Oliver Keymis sogar ein finanzielles Engagement des Landes Nordrhein-Westfalen und sogar vom Bund für möglich.

Auch die Motte, die Archäologen aus aller Welt angezogen hat, sollte in das Haus Meer Konzept integriert werden, beispielsweise mit einem Holzweg durch den Wald und einer Nachbildung. Über eine Renaturierung des Baches müsste man ebenfalls nachdenken. Oliver Keymis träumt persönlich von einer Eisdiele im Weyhe Park Haus Meer.

Prof. Winfried Jansen brachte uns jedoch wieder schnell auf den Boden der Tatsachen zurück, denn er wusste zu berichten, dass Herr Soliman in den nächsten Jahren weder etwas planen noch realisieren wird. Er möchte erst ganz in Ruhe recherchieren.

Kultur ist Lebenselixier

Diese Formulierung von Oliver Keymis freute insbesondere Ludwig Petry, der Kultur gerne in die Nähe von Grundnahrungsmitteln stellen würde. Doch nur die Begriffe reichen nicht aus, wenn sie nicht gelebt werden. Im Mai 2017 werden bei der Landtagswahl die Karten neu gemischt. Aber Oliver Keymis plant hoffnungsvoll eine weitere Erhöhung der kulturellen Fördermittel. Neu in NRW: das Kulturfördergesetz mit Kulturförderplan. Trotz 30 Paragraphen und einer 90-seitigen Begründung, dürfen kulturelle Aktivitäten nichts kosten. Dennoch ist die Basis geschaffen, auf deren Grundlage einzelne Aktivitäten leichter zu beschließen sind. Und Kultur ist damit nicht zuverlässiger und langfristiger planbar.

Stadtarchiv und Museum in Meerbusch – was ist machbar für den Ring des Pastor Jacob?

Zum Schluss der Diskussion interessierte sich Franz-Josef Radmacher für die Möglichkeiten eines Neubaus des Stadtarchivs. Herr Keymis versprach, sich kundig über die Zuständigkeiten der kommunalen Verantwortlichkeiten zu machen. Infrage kommt beispielsweise der Silo am Osterather Bahnhof und mit einem Anbau könnte vielleicht sogar ein kleines Museum realisiert werden. Dies ist vielleicht nur eine Vision, doch in der Kombination tatsächlich denkbar, da das Personal flexibel eingesetzt werden könnte.
Als Anekdote erfuhren wir von Herrn Radmacher vom Ring des Pastor Jacobs, der bei einer Ausgrabung entdeckt wurde und nun in irgendeiner Schatulle in einem Zentralarchiv des Landes Nordrhein-Westfalen auf seine „Erweckung“ wartet.

Nach so viel Input war es spät geworden und so blieb leider gar keine Zeit mehr für Gespräche untereinander. Nach einer kurzen Danksagung und Verabschiedung durch unseren 1. Vorsitzenden Dr. Lothar Beseler löste sich der Stammtisch schnell auf.

Lieber Herr Keymis, Ihr Besuch war spannend und inspirierend. Bleiben Sie uns bitte in Meerbusch mit Ihren Ideen und Ihrem Engagement noch lange erhalten. Herzlichen Dank für Ihren Besuch.

Monika Zehmisch

Ausblick: der nächste MKK-Kulturstammtisch ist am 15.02.2017 mit Konrad Mönter vom Buch- und Kunstkabinett im Kneipen Café Kanapee, Osterath.

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