Kulturkreis Meerbusch

Am letzten Montag haben wir uns in der Kunstakademie mit der uns allen vertrauten Maja Tönnesmann getroffen, um den Spuren des großen Büdericher Bürgers Ewald Mataré, nachzugehen.

Geboren in Aachen begann er nach seiner Schulzeit und privaten Studien auch dort seine künstlerische Ausbildung, wechselte nach Berlin (war dort Schüler u. a. bei Lovis Corinth) und trat nach kurzer Militärzeit 1918 der revolutionären „Novembergruppe" bei. 1920 wandte er sich erstmals dem Holzschnitt zu. 1922 begann seine freie plastische Tätigkeit. Auf seinen vielen Auslandsreisen entwickelten sich seine verschiedenen künstlerischen Arbeitsweisen, oft in Einsamkeit, zu seiner Meisterschaft. Ab ca. 1920 nahm er an großen Kunstausstellungen teil.

1932 wurde Mataré dann an die berühmte Düsseldorfer Kunstakademie berufen. Bereits 1933, nach nur 7 Monaten, beendeten die Nationalsozialisten seine Tätigkeit. Seine Arbeiten gehörten zur sogenannten „Entarteten Kunst“. Eine dieser Arbeit - eine Kuh - ist zur Zeit im Museum Kunstpalast in einer Sonderausstellung zu diesem Thema zu sehen. Bereits im Juni 1945 war die Wiedereröffnung der Akademie mit Mataré als Direktor geplant. Sein Konzept, das Zeichnen und Arbeiten mit Holz als Schwerpunkt vorsieht, scheitert jedoch. 1946 übernahm er die Bildhauerklasse.

Die Betrachtung seiner Arbeiten in Düsseldorf beginnt schon mit der großen Eingangstür zur Akademie, die er kurz nach 1950 fertigte. Weiter führte unser Weg uns, immer wieder Hinweisen auf die kleinen schönen Dinge, zur Andreas-Kirche. Der nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg ganz bewußt sehr schlicht weiß neu gestaltete Altarraum, ist Ewald Matarés Werk. Besonders das Kreuz spricht, deutlich erkennbar für uns, seine Sprache. Da diese Kirche zur Zeit Jan Wellems Hofkirche war, ist auch das Mausoleum, ebenfalls von Mataré neu gestaltet, seine letzte Ruhestätte. Durch eine Hintertür über den Hof des „Medici“ setzen wir unseren Weg fort und konnten auf der Mühlenstraße einen Blick auf das alte Gericht werfen, ein wilhelminischer Bau, dessen Eingang mit großen Säulen gerahmt ist, so dass das arme Sünderlein sich ganz klein fühlen muß. Angefüllt mit Düsseldorfer Geschichte und Geschichtchen zu den „Großen“, die in unserer Stadt gewirkt haben, führt uns der Weg durch den Hofgarten zum Finanzministerium. Hier erwarten uns „Taler“ aus speziell für Mataré, in einer Düsseldorfer Glaswerkstatt hergestellten, farbigen Glasscheiben, eingefasst in Arbeiten aus Metall, z. B die große Eingangstür. Unser Weg führte uns weiter an einigen schönen Fassaden vorbei - auch an dem Haus, in dem Paul Klee in seiner Zeit als Akademiedirektor gewohnt hat.

Derendorf war durch den Krieg weitestgehend zerstört. So fiel auch die Rochuskirche den Bomben zum Opfer. Übrig blieb lediglich der Turm als Mahnmal. An seiner Vorderfront befindet sich eine wunderbare Arbeit von Bert Gerresheim, die die Würde dieses Ortes hervorhebt. Im Turm selbst gibt es einen kleinen Kirchenraum mit einer sehr andachtsvollen Atmosphäre. Der runde neue Kirchenbau wurde nach den Plänen des Architekten Schneider Essleben errichtet. Für die erste Ausstattung des Innenraumes wandte sich der damalige Pfarrer Dohr an Ewald Mataré. Von ihm stammen die hängende Christusfigur, das Taufbecken und die Kreuzwegstationen. Mit der weißen Farbe des Körpers und mit den Wundmalen, der goldenen Krone und den ausgestreckten Arme, vereint die Christusfigur in der modernen Ausstrahlung den Gekreuzigten und den Auferstandenen in einem Bild.

Nach so viel Sehen und Hören sind wir Frau Tönnesmann für die gute Idee, im „Hirschchen“, einem traditionsreichen Düsseldorfer Restaurant, eine mittägliche Pause einzulegen, sehr dankbar. Nicht irgend ein Tisch war reserviert sondern für alle sichtbar hing vor Kopf ein Gemälde von der ursprünglichen Rochuskirche. Nach der wohl verdienten Pause führte uns der Weg über die Reitallee im Hofgarten vorbei am neuen Kö-Bogen bis zur Lambertuskirche, nicht ohne rechts und links auf Kunst, wichtige Bauten und die schönen Dinge, diese Stadt ausmachen, zu achten.

Mit ihrem Reichtum an mittelalter Kunst ist die Lambertuskirche ein Kleinod. Besonderes erwähnt sei das von hervorragendem Kunstwert spät gotische Sakramentshäuschen. Besonders angesehen haben wir auch den Kreuzweg von Karl Matthäus Winter, einem Schüler Mataré’s, aus weißem Alabaster. Eine ganz wichtige Arbeit des Meister, und der eigentliche Grund St. Lambertus aufzusuchen, ist das Hauptportal, geschaffen in den sechziger Jahren. Das Thema des Werkes „Ich bin die Tür“ ist die Heimkehr des verlorenen Sohnes - Jesus kehrt heim zum Vater. Mit noch mehr kleinen Hinweisen auf das verborgene Schöne, endet der Weg dort, wo er begann. Mit müden Füßen und einem Kopf voller wunderbarer Bilder und Geschichten endete dieser lange Spaziergang auf Mataré’s Spuren und wir danken unserer nimmermüden Führerin Maja Tönnesmann.

Stefania Schnorbus

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